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Diskretion und Sicherheit – Menstruation heute


Auch heute begleitet Frauen noch ein beschämendes Gefühl beim Thema Menstruation. Vieles davon verdanken wir der Werbung, die meist von „Hygieneartikeln“ spricht und Blut in der Farbe Blau darstellt, aber auch der mangelnden Aufklärung und der Tabuisierung in der eigenen Familie und der Schule/am Arbeitsplatz.

Wie sich der versteckte und schambehaftete Umgang mit der Menstruation entwickelt hat, wurde bereits in meinem ersten Artikel dazu erklärt, indem besonders auf die Kulturgeschichte, religiöse Hintergründe und die Mythen, die sich teilweise bis heute noch erhalten, eingegangen wurde.

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Die meisten Tampon/Binden-Werbungen zeigen glückliche, energiebeladene Frauen, die in einer weißen Hose durch den Raum hüpfen und von 100%igem Schutz sprechen. Schutz wovor? Als wäre der Blutfluss etwas, das wir per se kontrollieren könnten.

So oft wird von Sicherheit gesprochen, von guter Laune. Bilder von Frauen mit reiner Haut, die sich in engen Jeans wohlfühlen – wenig ist so fern der Realität wie das, in den meisten Fällen. Alle Menschen mit einem weiblichen Geschlechtsorgan können es bestätigen, die Schmerzen sind teilweise kaum auszuhalten.

In Werbespots wird uns also unterschwellig suggeriert, dass wir mit Binden und Tampons sauber und geschützt sind, ohne nicht. Sie unterstützen die Annahme, die Periode sei ekelhaft, unhygienisch und peinlich. 

Aufklärung

Die Verschwiegenheit der Periode beginnt meist jedoch im eigenen Haushalt. Müttern fällt es schwer mit ihren Töchtern offen darüber zu sprechen, vor Vätern und Männern im Allgemeinen wird das Thema ohnehin verschwiegen und, wenn junge Mädchen zum ersten Mal die Regelblutung bekommen, werden sie bemitleidet. So zumindest im europäischen Raum.

Auch in der Schule wird wenig darüber gesprochen und wenn, dann meist erst in der 10. Klasse im Zuge des Aufklärungsunterrichts (was definitiv auch sehr viel zu spät ist) und selbst dann ist es nach wie vor hauptsächlich „Frauensache“. Am Arbeitsplatz werden Tampons, die in schönen kleinen Dosen verpackt sind, ähnlich wie beim Drogendealen, nur still und heimlich unter dem Tisch weitergereicht und mit einem unangenehm berührten Gesichtsausdruck entgegengenommen.

Menstruationsrituale

In anderen Kulturen wird ein Fest für die Menarche, das erste Auftreten der Regelblutung, veranstaltet. Japanische Mädchen werden von ihrer Familie beschenkt und beglückwünscht. Ein besonderes Reisgericht, welches nur an Festtagen auf den Tisch kommt, ist ein Zeichen für Freude und Fruchtbarkeit und wird an diesem Tag angerichtet – die Menstruation war dort lange Zeit ein heiliges Zeichen, keine Verdammung.

Auch in Neuguinea, bei nordamerikanischen Indianer*innen und bei Yurok-Indianer*innen wird die erste Regelblutung gefeiert.[1]

Anmerkung zum Schluss

Ein etwas anderer Beitrag, weil das Thema sehr bewegend ist und es dazu leider wenig Fachliteratur gibt. Dennoch interessant, wenn man mal seine Einstellung zur Menstruation hinterfragt und sie in der eigenen Familie offen anspricht. 


[1]Ausserer, Caroline (2003): Menstruation und weibliche Initiationsriten, Frankfurt/Main

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