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Anti-Baby-Pille

Begriffserklärung

Die Anti-Baby-Pille (umgangssprachlich auch Pille) ist ein Kontrazeptivum, also ein in diesem Fall hormonelles Verhütungsmittel zur Einnahme für Frauen. Die Ovulation wird meist durch ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat gehemmt. Ein solches Hormonpräparat ist inzwischen auch als Mikropille bekannt. Früher wurden Pillen mit einer höheren Östrogendosierung verabreicht (bis zu 50mg Östrogen).

Zudem gibt es sogenannte Minipillen, welche ausschließlich das Hormon Gestagen enthalten.Es wird zwischen Ein-, Zwei oder Dreiphasenpillen unterschieden.[1]

Geschichte USA/Deutschland

Die Idee der Anti-Baby-Pille geht in das Jahr 1920 zurück. Zwei amerikanische Frauenrechtlerinnen, die Krankenpflegerin Margaret Sanger und die Biologin Kathrine McCormick, schlossen sich zusammen und klärten in der von ihnen gegründeten „American Birth Control League“ Frauen über mögliche Verhütungsmethoden auf und engagierten sich dafür, die aktuelle Gesetzeslage in den USA zu ändern.

Zusammen mit dem Endokrinologen Gregory Pincus und weiteren Unterstützer*innen entwickelten Sanger und McComrick 1951 eine Methode, künstliches Progesteron und Östrogen herzustellen. Sie entdeckten dabei, dass Progesteron den Eisprung unterbindet und durch Zufall, dass Östrogen die Einnahme der Anti-Baby-Pille verträglicher macht.

1957 wurde in den USA nach mehreren klinischen Tests erstmals die Anti-Baby-Pille zugelassen – anfangs noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden. Am 18. August 1960 kam die Pille unter dem Namen „Envoid“ in Nordamerika als Verhütungsmittel zum ersten Mal auf den Markt. Ein Jahr später war dann auch ein ähnliches Präparat in Deutschland erhältlich. Unter dem Markennamen „Anovlar“ wurde dort eine Pille zunächst ausschließlich verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben und sollte auch offiziell nur bei Menstruationsbeschwerden helfen.

Kritische Stimmen protestierten gegen die Einführung des Verhütungsmittels. Dieses würde „außerehelichen Geschlechtsverkehr“ fördern und die „allgemeine Aufweichung der sittlichen Zucht“ unterstützen. 

Auch Ärzte (bewusst nicht gegendert) warnten 1964 vor einer „wachsenden Sexualisierung des öffentlichen Körpers“.

Mit der 68er-Bewegung kam es ein paar Jahre später unter anderem zu einer sexuellen Revolution. Sex wurde plötzlich öffentlich diskutiert. Frauen setzten sich mehr und mehr für das Recht ein, frei über sich und ihren Körper bestimmen zu dürfen: Sexualität sollte künftig auch frei und ohne Fortpflanzungshintergrund praktiziert werden können. 

Die Pille wird häufig für den Einbruch der Geburtenrate verantwortlich gemacht (heute auch als „Pillenkick“ bekannt), welcher unter anderem in Westdeutschland nach dem „Babyboom“ eintrat. Heutige Interpretationen bestreiten diese Annahme jedoch meist. In Deutschland kam es nach der Einführung von „Anovlar“ erstmal zum Anstieg der Geburtenrate. In Amerika ging diese schon vor der Einführung des Erstpräparats zurück. Nach der Industrialisierung sehnten sich besonders Frauen nach einer veränderten Lebensweise, nach Autonomie, Selbstverwirklichung und nach Erwerbstätigkeit.[2]

Pille heute

Die Pille hat sich innerhalb der letzten Jahre als das meistgenutzte Verhütungsmittel erwiesen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nahm bis 2015 mehr als jede zweite Frau zwischen 18 und 49 Jahren die Anti-Baby-Pille.[3] Bis heute zählt sie mit einem Pearl-Index von 0,3 (es werden somit von 1000 Frauen in einem Jahr 3 davon schwanger) zu den sichersten Verhütungsmitteln.[4]

Die Einnahme der Pille wurde in den letzten Jahren jedoch auch sehr kritisch betrachtet. Durch die ständige Zufuhr künstlich hergestellter Hormone, kann die Einnahme der Pille das Thrombose-, Bluthochdruck- oder Brustkrebsrisiko erhöhen. Weitere Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Übelkeit, Migräne oder depressive Verstimmungen halten immer mehr Frauen von der Anwendung dieser Verhütungsmethode ab.[5]

Kostenübernahme Deutschland

In Deutschland werden die Kosten für die Pille seit 29. März 2019 für Frauen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Diese Kostenübernahme gilt auch für den Anspruch auf ärztlich verordnete Notfallkontrazeptiva. Privatversicherte Frauen müssen die Pille selbst bezahlen.[6]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag soll weder zum Kauf der Pille anregen noch ein Absetzen dessen unterstützen. Jede*r bestimmt eigenständig, welches/ob ein Verhütungsmittel für sie*/ihn passend ist, bzw sollte dies mit einer Medizinerin* oder einem Mediziner abklären. Alle in diesem Artikel erwähnten Informationen wurden eigenständig recherchiert und unterliegen keiner ärztlichen Aussage.

Die Pille ist bis heute ausschließlich für Frauen vorgesehen. Solche Kontrazeptiva für das andere Geschlecht sind bisher noch nicht zum Verkauf zugelassen. Mit dem Wirkstoff 11-Beta-Methyl-19-Nortestosteron-Dodekylcarbonat wird in den USA derzeit ein ähnliches Präparat, in Form einer Hormonspritze, nun auch für die Personen, die männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, erforscht.[7]


[1]https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/arzneimittel-medizinische-hintergruende/pille/pillensorten-2066554

[2]https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/210997/55-jahre-pille-

[3]https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung/pdf/BZGA-11-00988_Verhue_tungsverhalten_Erwachsener_DE_low.pdf

[4]Michael von Wolff, Petra Stute: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Das Praxisbuch. Schattauer Verlag, 2013

[5]Combined hormonal contraceptives, Risikobewertungsverfahren

[6]https://www.kbv.de/html/1150_39882.php

[7]https://www.welt.de/wissenschaft/article190922849/Verhuetung-Pille-fuer-den-Mann-laut-Forschern-fast-startklar.html

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