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Endometriose

Begriffserklärung

Endometriose ist ein sehr häufiges, gutartiges und schmerzhaftes gynäkologisches Krankheitsbild mit chronischem Verlauf. Dabei kommt funktionell morphologische endometriumähnliche Uterusschleimhaut in Form von Wucherungen (Herde) außerhalb des physiologischen Bereiches (Gebärmutter) vor.[1]Diese Herde verhalten sich ähnlich wie die Zellen in der Gebärmutter: sie werden meist von Hormonen gesteuert, unterliegen dem Zyklus und lösen Blutungen aus.

Das Blut fließt jedoch nicht im normalen Weg ab, was Zysten, Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen verursachen kann, was wiederum zu teils sehr starken Schmerzen und in extremen Fällen auch zur Gefährdung anderer Organe führen kann.[2]

Prävalenz

10% – 15% aller Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr entwickeln eine Endometriose. Schätzungen sprechen von jährlich 40.000-50.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Somit ist Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung.[3]

Von Endometriose können alle Personen, die mit einem Uterus geboren wurden, betroffen sein.[4]                          

Ätiologie

Die Ursache der Krankheitsentstehung ist in größten Teilen noch nicht vollständig geklärt. Eine genetische Vererbung wird nicht ausgeschlossen. Zudem gibt es inzwischen Theorien, welche die Ätiologie der Erkrankung erklären könnten:

Die Transplantationstheoriegeht davon aus, dass durch die retrograde Menstruation vitale Endometriumzellen in die Bauchhöhle gelangen und sich dort implantieren können. Retrograde Menstruation bedeutet, dass der*die Patient*in während der Menstruation antegrad (nach vorne gerichtet) durch die Scheide blutet und gleichzeitig retrograd (rückläufig) Menstruationsblut über die offenen Eileiter in den Bauchraum gelangt.[5]

Bei der „Tissue Injury and Repair“-Theorie kommt es durch autonome Muskelbewegungen zu Mikrotraumen in der Gebärmutterschleimhaut, wodurch herausgelösteEndometriumzellen an einen anderen Ort verschleppt werden.

 Die Metaplasietheorie besagt hingegen, dass sich pluripotentes Gewebe in der Embryonalentwicklung de novo zu Endometriumzellen umformt.[6]

Weitere Theorien könnten die Migrationstheorieoder die immunologische Theorie sein.[7]

Lokalisation

Die häufigste Lokalisation ist im Bauchraum; zum Beispiel können Ligamente (Bänder), das Peritoneum (Bauchfell) und die Ovarien (Eierstöcke), aber auch Darm oder Harnblase betroffen sein. 

Es wird zwischen:

  •  Endometriosis genitalis interna/Anomyosis uteri (Endometriosezellen in der Muskelschicht und im Abgangbereich der Tuben)
  • Endometriosis genitalis externa (Endometriumzellen in den weiteren weiblichen Geschlechtsorganen und im Peritoneum und
  • Endometriosis extragenitalis (Endometriosezellen in Harnblase, Darm, Bauchnabel, Zwerchfell, in extremen Fällen Lunge oder Gehirn) unterschieden.

Symptomatik

Leitsymptome sind sehr starke abdominelle Schmerzen (zyklusab- oder unabhängig), Dysmenorrhö (schmerzhafte Regelblutung), Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blutungsstörungen, gastrointestinale oder urologische Beschwerden, sowie Unfruchtbarkeit.[8]

Diagnostik

Bei einer gynäkologischen Untersuchung können im Bereich der Scheide bereits blauschwarze Herde inspiziert oder als kleine Knötchen ertastet werden. Des weiteren dient ein Ultraschall zur Diagnosestellung. In den meisten Fällen wird bei Verdacht auf Endometriose eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) mit einer Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) durchgeführt. Weitere Diagnostikverfahren können eine Zystoskopie bei Verdacht auf Blasenbeteiligung, eine Kolo-/Rektoskopie: bei Verdacht auf Darmbeteiligung oder eine Kernspintomografie zur Beurteilung der Infiltration von Nachbarorganen sein.[9]

Therapie

Endometriose ist (bis zum heutigen Zeitpunkt) nicht heilbar. Die Erkrankung kann medikamentös oder operativ behandelt werden.

Medikamentöse Therapie

Für die medikamentöse Behandlung werden meist zunächst Schmerzmittel (NSARàWirkstoffe wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS)) verschrieben.[10] Des Weiteren empfehlen Ärzt*innen häufig eine kontinuierliche Östrogen-Gestagen-Kombinationen, wie die Antibaby-Pille oder eine gestagenhaltige Hormonspirale zur Ovulationshemmung. Eine Gestagen-Monotherapie wirkt ähnlich wie eine Minipille, ist jedoch ausschließlich zur Therapie der Endometriose zugelassen. Eine weitere hormonelle Therapieform ist die mit GnRH-Agonisten.[11]

Operative Therapie

Die diagnostische Laparoskopie ist zugleichder erste Schritt einer chirurgischen Therapie. Bei der Operation können Endometrioseherde durch Koagulation (Verdampfung, Verkochung) mit Hochfrequenzstrom, Laser oder Hitze zerstört oder durch Schnitteentfernt werden. Die Entfernung ganzer Organe (bspw. Ovarien/Uterus) ist bei milderen Verläufen zunächst nicht notwendig. Bei großflächigen Herden, massiven Verwachsungen oder deren Auftreten an ungünstigen Stellen kann auch ein Bauchschnitt (Laparotomie) erforderlich sein.[12]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag deckt lange nicht alle wichtigen Informationen zur Endometriose ab. Die sehr späte und heute noch in Teilen nicht ausreichend angemessene gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Krankheit wurde beispielsweise nicht behandelt. Die oben genannten Argumente sind den angegebenen Quellen entnommen. Bei Ergänzungen oder fehlerhaften Darstellungen bitte ich um eine Rückmeldung. Dieser Beitrag soll auf Endometriose aufmerksam machen. 


[1]Kepler Universitätsklinikum – Was ist Endometriose?

[2]https://www.eva-info.at/was-ist-endometriose/

[3]https://viamedici.thieme.de/lernmodule/gynäkologie+und+geburtshilfe/endometriose

[4]https://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose.html

[5]https://www.aerzteblatt.de/archiv/77157/Diagnose-und-Therapie-der-tief-infiltrierenden-Endometriose

[6]https://www.amboss.com/de/wissen/Endometriose

[7]https://viamedici.thieme.de/lernmodule/gynäkologie+und+geburtshilfe/endometriose

[8]https://www.amboss.com/de/wissen/Endometriose

[9]https://viamedici.thieme.de/lernmodule/gynäkologie+und+geburtshilfe/endometriose

[10]https://www.gesundheitsinformation.de/behandlungsmoeglichkeiten-bei-endometriose.2474.de.html?part=behandlung-m5

[11]Die Bildung von Östrogen und Progesteron im Eierstock wird durch übergeordnete Hormone reguliert. Eines davon ist das natürliche GnRH (Gonadotropin- releasing Hormon). Durch die Einnahme eines synthetisch hergestellten, unwirksamen GnRHs (GnRH-Analogon), wird die Produktion des körpereigenen, wirksamen GnRHs eingestellt. Das dann überwiegend vorhandene GnRH-Analogon ist somit unwirksam in Bezug auf die Östrogenproduktion in den Eierstöcken. Wegen des fehlenden Östrogens wird keine monatliche Schleimhaut mehr aufgebaut, was wiederum zu einem Ausfall der Menstruation führt.

[12]https://www.endometriose-vereinigung.de/therapie.html

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