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Frauen* und Gesellschaft

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Menstruationsprodukte

MwSt. Problematik in Deutschland

Anzeige – Anfang 2020 sollte eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Periodenprodukte (ca. 19%) eigentlich eine Preiserleichterung für Kund*innen darstellen. Kurz nach der Einführung dessen erhöhten Hersteller*innen der Produkte ihre Preise, was wiederum zu einer kaum sichtbaren Veränderung in der Höhe der Kosten für menstruierende Personen führte.

Warum Periodenprodukte auch in Deutschland noch nicht frei zur Verfügung stehen, wird unter Politiker*innen selten diskutiert. Schottland hat dies bereits geschafft, in Ländern wie Kanada, Frankreich, Luxemburg oder Kenia kam es in letzter Zeit zu einer Senkung der Mehrwertsteuer auf weniger als 6%.[1]

Nun sind natürlich durch diese Steuererleichterung Menstruationsprodukte noch lange nicht für alle Menschen zugänglich/leistbar. Das liegt mitunter an der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Periode und an den in großen Teilen männlich* besetzten Führungspositionen, welche Entscheidungen, wie die der Bereitstellung treffen sollen. 

In der Herstellung von Menstruationsprodukten gibt es unterschiedliche Bedingungen und da gilt es genauso wie bei Fair Fashion auf die Materialien, den ethischen Aspekt und die Haltbarkeit der Produkte zu achten, wenn es die finanziellen Mittel erlauben. Zudem beinhalten Produkte einiger Firmen häufig Pestizide und Bleichmittel.

In diesem Beitrag findet ihr nochmal eine Liste mit einigen Links zu Firmen, die nachhaltige Menstruationsprodukte herstellen. Zudem möchte ich aber nochmal darauf hinweisen, dass auch diese in Deutschland nicht frei zur Verfügung stehen und sich viele Menschen keine Periodenprodukte leisten können. Aus diesem Grund verlinke ich zudem eine Organisation, die Spenden für Menstruationsprodukte sammelt, um diese an obdachlose Frauen* weiterzugeben.

Spendenlink

https://www.betterplace.org/de/projects/55197-kostenlose-tampons-fuer-obdachlose-frauen

Nachhaltige Menstruationsprodukte


[1]https://www.thefemalecompany.com/magazin/laender-ohne-tamponsteuer/

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Endometriose

Begriffserklärung

Endometriose ist ein sehr häufiges, gutartiges und schmerzhaftes gynäkologisches Krankheitsbild mit chronischem Verlauf. Dabei kommt funktionell morphologische endometriumähnliche Uterusschleimhaut in Form von Wucherungen (Herde) außerhalb des physiologischen Bereiches (Gebärmutter) vor.[1]Diese Herde verhalten sich ähnlich wie die Zellen in der Gebärmutter: sie werden meist von Hormonen gesteuert, unterliegen dem Zyklus und lösen Blutungen aus.

Das Blut fließt jedoch nicht im normalen Weg ab, was Zysten, Verwachsungen, Entzündungen und Vernarbungen verursachen kann, was wiederum zu teils sehr starken Schmerzen und in extremen Fällen auch zur Gefährdung anderer Organe führen kann.[2]

Prävalenz

10% – 15% aller Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr entwickeln eine Endometriose. Schätzungen sprechen von jährlich 40.000-50.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Somit ist Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung.[3]

Von Endometriose können alle Personen, die mit einem Uterus geboren wurden, betroffen sein.[4]                          

Ätiologie

Die Ursache der Krankheitsentstehung ist in größten Teilen noch nicht vollständig geklärt. Eine genetische Vererbung wird nicht ausgeschlossen. Zudem gibt es inzwischen Theorien, welche die Ätiologie der Erkrankung erklären könnten:

Die Transplantationstheoriegeht davon aus, dass durch die retrograde Menstruation vitale Endometriumzellen in die Bauchhöhle gelangen und sich dort implantieren können. Retrograde Menstruation bedeutet, dass der*die Patient*in während der Menstruation antegrad (nach vorne gerichtet) durch die Scheide blutet und gleichzeitig retrograd (rückläufig) Menstruationsblut über die offenen Eileiter in den Bauchraum gelangt.[5]

Bei der „Tissue Injury and Repair“-Theorie kommt es durch autonome Muskelbewegungen zu Mikrotraumen in der Gebärmutterschleimhaut, wodurch herausgelösteEndometriumzellen an einen anderen Ort verschleppt werden.

 Die Metaplasietheorie besagt hingegen, dass sich pluripotentes Gewebe in der Embryonalentwicklung de novo zu Endometriumzellen umformt.[6]

Weitere Theorien könnten die Migrationstheorieoder die immunologische Theorie sein.[7]

Lokalisation

Die häufigste Lokalisation ist im Bauchraum; zum Beispiel können Ligamente (Bänder), das Peritoneum (Bauchfell) und die Ovarien (Eierstöcke), aber auch Darm oder Harnblase betroffen sein. 

Es wird zwischen:

  •  Endometriosis genitalis interna/Anomyosis uteri (Endometriosezellen in der Muskelschicht und im Abgangbereich der Tuben)
  • Endometriosis genitalis externa (Endometriumzellen in den weiteren weiblichen Geschlechtsorganen und im Peritoneum und
  • Endometriosis extragenitalis (Endometriosezellen in Harnblase, Darm, Bauchnabel, Zwerchfell, in extremen Fällen Lunge oder Gehirn) unterschieden.

Symptomatik

Leitsymptome sind sehr starke abdominelle Schmerzen (zyklusab- oder unabhängig), Dysmenorrhö (schmerzhafte Regelblutung), Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blutungsstörungen, gastrointestinale oder urologische Beschwerden, sowie Unfruchtbarkeit.[8]

Diagnostik

Bei einer gynäkologischen Untersuchung können im Bereich der Scheide bereits blauschwarze Herde inspiziert oder als kleine Knötchen ertastet werden. Des weiteren dient ein Ultraschall zur Diagnosestellung. In den meisten Fällen wird bei Verdacht auf Endometriose eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) mit einer Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) durchgeführt. Weitere Diagnostikverfahren können eine Zystoskopie bei Verdacht auf Blasenbeteiligung, eine Kolo-/Rektoskopie: bei Verdacht auf Darmbeteiligung oder eine Kernspintomografie zur Beurteilung der Infiltration von Nachbarorganen sein.[9]

Therapie

Endometriose ist (bis zum heutigen Zeitpunkt) nicht heilbar. Die Erkrankung kann medikamentös oder operativ behandelt werden.

Medikamentöse Therapie

Für die medikamentöse Behandlung werden meist zunächst Schmerzmittel (NSARàWirkstoffe wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS)) verschrieben.[10] Des Weiteren empfehlen Ärzt*innen häufig eine kontinuierliche Östrogen-Gestagen-Kombinationen, wie die Antibaby-Pille oder eine gestagenhaltige Hormonspirale zur Ovulationshemmung. Eine Gestagen-Monotherapie wirkt ähnlich wie eine Minipille, ist jedoch ausschließlich zur Therapie der Endometriose zugelassen. Eine weitere hormonelle Therapieform ist die mit GnRH-Agonisten.[11]

Operative Therapie

Die diagnostische Laparoskopie ist zugleichder erste Schritt einer chirurgischen Therapie. Bei der Operation können Endometrioseherde durch Koagulation (Verdampfung, Verkochung) mit Hochfrequenzstrom, Laser oder Hitze zerstört oder durch Schnitteentfernt werden. Die Entfernung ganzer Organe (bspw. Ovarien/Uterus) ist bei milderen Verläufen zunächst nicht notwendig. Bei großflächigen Herden, massiven Verwachsungen oder deren Auftreten an ungünstigen Stellen kann auch ein Bauchschnitt (Laparotomie) erforderlich sein.[12]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag deckt lange nicht alle wichtigen Informationen zur Endometriose ab. Die sehr späte und heute noch in Teilen nicht ausreichend angemessene gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Krankheit wurde beispielsweise nicht behandelt. Die oben genannten Argumente sind den angegebenen Quellen entnommen. Bei Ergänzungen oder fehlerhaften Darstellungen bitte ich um eine Rückmeldung. Dieser Beitrag soll auf Endometriose aufmerksam machen. 


[1]Kepler Universitätsklinikum – Was ist Endometriose?

[2]https://www.eva-info.at/was-ist-endometriose/

[3]https://viamedici.thieme.de/lernmodule/gynäkologie+und+geburtshilfe/endometriose

[4]https://www.endometriose-vereinigung.de/was-ist-endometriose.html

[5]https://www.aerzteblatt.de/archiv/77157/Diagnose-und-Therapie-der-tief-infiltrierenden-Endometriose

[6]https://www.amboss.com/de/wissen/Endometriose

[7]https://viamedici.thieme.de/lernmodule/gynäkologie+und+geburtshilfe/endometriose

[8]https://www.amboss.com/de/wissen/Endometriose

[9]https://viamedici.thieme.de/lernmodule/gynäkologie+und+geburtshilfe/endometriose

[10]https://www.gesundheitsinformation.de/behandlungsmoeglichkeiten-bei-endometriose.2474.de.html?part=behandlung-m5

[11]Die Bildung von Östrogen und Progesteron im Eierstock wird durch übergeordnete Hormone reguliert. Eines davon ist das natürliche GnRH (Gonadotropin- releasing Hormon). Durch die Einnahme eines synthetisch hergestellten, unwirksamen GnRHs (GnRH-Analogon), wird die Produktion des körpereigenen, wirksamen GnRHs eingestellt. Das dann überwiegend vorhandene GnRH-Analogon ist somit unwirksam in Bezug auf die Östrogenproduktion in den Eierstöcken. Wegen des fehlenden Östrogens wird keine monatliche Schleimhaut mehr aufgebaut, was wiederum zu einem Ausfall der Menstruation führt.

[12]https://www.endometriose-vereinigung.de/therapie.html

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Parité-Gesetz

Begriffserklärung

Das Paritäts- oder Parité-Gesetz stellt im Allgemeinen ein Gesetz zur Gleichstellung in unterschiedlichen Kontexten dar. In Bezug auf die aktuelle politische Debatte, geht es hierbei um die Gleichheit der Geschlechter. Dabei wird größtenteils die Geschlechtergleichstellung binärer Geschlechtsidentitäten im Parlament um politische Entscheidungsorgane diskutiert.

Nur wenige Parteien sehen erweiterte Regelungen für nichtbinäre Personen in ihren Wahlprogrammen vor.[1]

Der Hintergrund dieses Parteigesetzes ist die konstante Unterrepräsentanz von Frauen* in der Politik. Dafür spielen historische, soziale und wirtschaftliche Faktoren, wie die Rollenbilder und Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern und zeitliche oder materielle Ressourcen eine große Rolle. Chancengleichheit wird häufig mit tatsächlicher Gleichberechtigung gleichgestellt, was ein solches Paritätsgesetz in vielen Ländern regeln soll.[2] In Deutschland ist in den beiden u.g. Fällen ein Gleichstellungsgesetz von Frau und Mann bzw. Frau*Mann vorgesehen.

Liberté, Egalité, Parité

Belgien war europaweit das erste Land, das 1994 ein Parité-Gesetz eingeführt hat. 1999 wurde dann auch in Frankreich, nach vielen Jahren desaströsem Missverhältnis von Frauen* und Männern* in französischen Parlamenten, die Verfassung um Lionel Jospin von der Regierung geändert. Seit 2000 wurde das Parité-Gesetz immer wieder verändert. Bei Listenwahlen, Europa-, Kommunal- oder Regionalwahlen hat sich das Paritätsgesetz in Frankreich positiv ausgewirkt. Eine Reform von 2013 schrieb zudem eine vollkommene Parität in den Departementsräten fest. Bei den Parlamentswahlen waren die Fortschritte langsamer. Studien in Frankreich zeigen, dass ohne das Paritätsgesetz insgesamt viel weniger Frauen in der Politik in Frankreich wären, dennoch sind Spitzenpositionen nach wie vor eher von Männern besetzt. Genauso gilt dies auf kommunaler Ebene, bei Bürgermeister*innenämtern (16% Frauen*).[3]

Paritätsgesetz in Deutschland

Brandenburg

Kurz nach dem 100. Jubiläum der Einführung Frauenwahlrechts, am 31. Januar 2019, beschlossen SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen ein Paritätsgesetz für das Land Brandenburg. Dort sieht das Landeswahlgesetz seither vor, alle künftigen Landeslisten der Parteien, die sich zur Wahl stellen, nach einem Reißverschlussverfahren zu besetzen. 

Wird gegen die Regelungen zur paritätischen Besetzung verstoßen, werden die Wahlvorschläge vom Wahlausschuss zurückgewiesen. Sollte keine paritätische Besetzung vorliegen, wird die Liste neu gebildet. Dabei müssen die letzten Plätze nicht geschlechterparitätisch besetzt werden. Dieses Gesetz tritt im Juli 2020 in Kraft und wird bei den Landtagswahlen zum ersten Mal angewandt.[4]

Bewerber*innen, die sich keiner binären Geschlechtsidentität zuordnen sollen dabei selbst entscheiden, ob sie für Männer*- oder Frauen*listen antreten möchten, was nach der Einführung unter anderem von der Piraten Partei in Brandenburg stark kritisiert wurde. Laut Thomas Bennühr, dem Landesvorsitzenden der Partei, diskriminiert das Gesetz Personen, die sich nicht-binären Geschlechtsidentitäten zuordnen.[5]

Wähler*innengemeinschaften und Parteien, die qua Satzung für nur ein Geschlecht offen sind, müssen in Brandenburg keine quotieren Wahllisten aufstellen.

Des Weiteren sieht der Gesetzesentwurf des Parité-Gesetzes in Brandenburg eine Quotierung der Direktwahlkanditaturen vor. Die 44 Wahlkreise sollen halbiert werden und in Duos aus Frau und Mann als Direktkanditierende aufgestellt werde. Das soll ermöglichen, dass die kandidierenden Duos nicht zusammen gewählt werden müssen. So können zwei Kanditat*innen aus unterschiedlichen Wahlvereinigungen oder Parteien gewählt werden, was die Wahlfreiheit der wahlberechtigten Personen erhöhen soll. Zudem sind laut Gesetzesvorlage Einzelbewerbungen weiterhin zulässig.

Thüringen

Auch in Thüringen soll das Parité-Gesetzes bald schon in Kraft treten. Ähnlich wie in Brandenburg wird auch dort eine alternierende Besetzung der Wahllisten mit Frauen* und Männern* vorgesehen. Einige Abweichungen des Thüringer Paritätsgesetzes sollen problematischen Aspekten des Brandenburger Gesetzes entgegenwirken.

Personen, die sich mit der Geschlechtsidentität divers identifizieren (und auch mit diesem Geschlecht im Personenstandsregister eingetragen sind) können sich in Thüringen unabhängig von der Reihenfolge der Listenplätze aufstellen lassen und müssen sich so weder für einen Frauen- noch einen Männerplatz entscheiden. Um die alternierende Besetzung von Männern und Frauen zu gewährleisten, soll nach der diversen Person eine Frau aufgestellt werden, wenn auf dem Listenplatz vor der Person mit diverser Geschlechtsidentität ein Mann steht und umgekehrt.

Einige weitere Sonderregelungen sollen möglichen Benachteiligungen entgegenwirken.[6]

Kritik & Anmerkung

Das Parité Gesetz wird immer wieder kritisiert und als unvollständig, bzw. verfassungswidrig erklärt. Die Kritik bezieht sich in erster Linie auf eine Einschränkung der Freiheit der Wahl oder der Parteien und einen teilweise starren Bezug auf das Geschlecht (was intersexuelle Personen teilweise zu einer Entscheidung für/gegen ein binäres Geschlecht zwingt). Zudem klagt der parlamentarische Beratungsdienst, dass das Parité-Gesetz nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Außerdem wäre das Gesetz auf Landesebene der falsche Ansatz, da so auf Kommunalebene weiterhin ein Geschlechterungleichgewicht herrschen würde, das Frauen* den Weg zur Landesebene so weiterhin erschweren würde.[7]

Dieser Beitrag enthält ausschließlich eigenrecherchierte Informationen (18.03.2020). Das Parité-Gesetz ist äußerst komplex, in vielen Aspekten (in den deutschen Gesetzesvorlagen) verwirrend und widersprüchlich. Dieser Artikel soll als Information dienen und weder eine positive noch negative Konnotation mit dem Thema darstellen. 


[1]http://library.fes.de/pdf-files/dialog/15775.pdf

[2]https://www.frauenrat.de/wp-content/uploads/2019/05/Broschuere-MehrFrauenindieParlamente.pdf

[3]https://www.100-jahre-frauenwahlrecht.de/dossiers-frauen-und-politik/paritaet/frankreich-paritaet-in-der-politik/

[4]https://www.frauen-macht-politik.de/die-ersten-paritaetsgesetze.html

[5]https://www.queer.de/detail.php?article_id=33093

[6]https://www.frauen-macht-politik.de/die-ersten-paritaetsgesetze.html

[7]https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w6/gu/48.pdf

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Die Entstehung der Europäischen Union


Angesichts des großen Leids der Bevölkerung und der materiellen Zerstörung der Städte nach den zwei Weltkriegen, war die Sicherung für einen dauerhaften Frieden in Europa essenziell.

Der französische Außenminister Robert Schuman schlug demnach Deutschland gegen Ende der 40er Jahre vor, die kriegsbedeutenden Kohle- und Stahlindustrien in einem gemeinsamen Markt unter eine übergeordnete Behörde zu stellen. 1951 schlossen sich daraufhin Belgien, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Deutschland und Frankreich zusammen und gründeten gemeinsam die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ (EGKS). Am 9. Mai 1950 hielt Schumann in seiner Erklärung fest, dass so „ein Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich sei“.[1]

Während die 1950er Jahre vom Kalten Krieg zwischen Ost und West geprägt waren, wurde 1957 in Rom der Vertrag für die Entstehung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) unterzeichnet.[2] Neben der EWG kam es in den römischen Verträgen zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). Die EWG diente des Abbaus von Zoll- und Handelsschranken, das Euratom der friedlichen Forschung und Nutzung von Kernenergie.

1967 legten EWG, EGKS und Euratom ihre Organe im Fusionsvertrag der Europäischen Gemeinschaft (EG) zusammen.[3]Diese wurden dadurch gemeinsame Institutionen (Ministerrat, Kommission, Europäisches Parlament, Europäischer Gerichtshof).[4]

Sechs Jahre später schlossen sich das Vereinigte Königreich, Dänemark und Irland der Europäischen Gemeinschaft an, 1981 trat Griechenland der EG bei und 1986 Spanien und Portugal. Ziel der nun 12 Mitgliedsstaaten der EG war es, einen Binnenmarkt mit einem freien Waren-, Kapital-, Dienstleistungs- und Personenverkehr zu schaffen. 1986 bildete die Einheitliche Europäische Akte (EEA) mit Jaques Delors den Plan für einen Europäischen Binnenmarkt, der bis 1992 vollendet werden sollte.

1990 kam es zum Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands durch den Fall der Berliner Mauer. Die neuen Bundesländer wurden somit Teil der Europäischen Gemeinschaft und die mittel- und osteuropäischen Länder wurden unabhängig. 

Nachdem 1992 der Vertrag zu einem Gemeinsamen Binnenmarkt weitgehend vollendet war, trat am 01. November 1993 der Vertrag von Maastricht in Kraft. 

Durch diesen Vertrag kam es zur Gründung der Europäischen Union und somit zu u.a. folgenden Beschlüssen:

  • Die drei Gemeinschaften (EGKS, EWG und Euratom) und die institutionalisierte politische Zusammenarbeit in den Bereichen Verteidigung, Polizei, Außenpolitik und Justiz wurden unter dem Dach der Europäischen Union zusammengefasst.
  • Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft wurde in Europäische Gemeinschaft umbenannt.
  • Die Maastrichter Konvergenzkriterien (betreffend Haushaltssalden, Inflation, Zinsen und Wechselkurs) wurden geschaffen.
  • Die sogenannten „Maastricht-Kriterien“ wurden festgelegt:
    • Defizitgrenze bei 3 % des BIP
    • Schuldenstand von max. 60 % des BIP
  • Die Einführung des Euro wurde vertraglich verankert.
  • Die Einführung des Mitentscheidungsverfahrens sollte die Rolle des Europäischen Parlaments bei Entscheidungen auf EU-Ebene stärken.
  • Die 3-Säulen-Struktur der EU-Politik wurde geschaffen:
    • 1. Säule: umfasst die Europäische Gemeinschaft und regelt supranationale Politikbereiche wie den Binnenmarkt und die Wirtschaft- und Währungsunion
    • 2. Säule: umfasst die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP)
    • 3. Säule: umfasst die Zusammenarbeit der EU-Länder in der Justiz- und Innenpolitik [5]

Mit dem Beitritt von Österreich, Schweden und Finnland, welche vormalige Mitglieder der Europäischen Freihandelsassoziation waren, bestand die EU 1995 so aus insgesamt 15 Mitgliedsstaaten. Das Schengener Abkommen, welches im selben Jahr erlassen wurde, sollte Personenkontrollen an den Binnengrenzen abbauen. Ein Stabilitäts- und Wachstumspakt zur Sicherung einer öffentlichen, gesunden Finanzlage der Mitgliedsstaaten, sowie die Europäische Zentralbank (EZB) wurden eingeführt. 

1999 beschloss der Europäische Rat in Köln eine gemeinsame Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Im selben Jahr wurde der Euro zunächst als Buchgeld, 2002 dann als Bargeld eingeführt.

Die Verträge von Amsterdam (1997) und Nizza (2003) reformierten den Maastrichter Vertrag und erzielten so eine handlungsfähigere EU, besonders im Hinblick auf die Erweiterung zahlreicher mittel- und osteuropäischer Staaten.[6]

2004 kam es zur ersten Osterweiterung bei der Ungarn, Polen, Slowenien, die Slowakei, Lettland, Litauen, Tschechien, Estland, Malta und Zypern der EU beitraten. Wenig später, am 29. Oktober 2004, unterschrieben die Staats- und Regierungschefs die Europäische Verfassung in Rom, womit die Ratifizierungsprozesse begannen. Nachdem die Volksabstimmungen in Frankreich und in den Niederlanden negativ ausfielen, geriet die Ratifizierung ins Stocken. Der Stabilitäts- und Wachstumspaktes sollte reformiert werden. Im selben Jahr traten Rumänien und Bulgarien der EU bei.

Der Vertrag von Lissabon, ein Reformvertrag des Verfassungsvertrages, gestaltete den institutionellen Rahmen der EU ab 01. Dezember 2009 neu. Die Drei-Säulen-Politik wurde aufgehoben und das Europäische Parlament erhielt mehr Befugnisse.[7]

2013 kam es zum Beitritt Kroatiens, dem 28. Mitglied der Europäischen Union.[8]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Artikel behandelt weder positive noch negative Aspekte der Europäischen Union. Er dient lediglich der Information zur Geschichte und zum Zusammenschluss der Mitgliedsstaaten. Austritte, Proteste und Finanzkrisen wurden nicht oder kaum erwähnt, dazu ist ein weiterer Beitrag vorgesehen.


[1]https://www.eda.admin.ch/dea/de/home/eu/europaeische-union/entstehung-eu.html

[2]https://europa.eu/european-union/about-eu/history_de#1945-1959

[3]https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Europa/Die_EU_auf_einen_Blick/Entwicklung_der_EU/entwicklung_der_eu.html

[4]https://www.eda.admin.ch/dea/de/home/eu/europaeische-union/entstehung-eu.html

[5]https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Europa/Die_EU_auf_einen_Blick/Entwicklung_der_EU/entwicklung_der_eu.html

[6]https://www.eda.admin.ch/dea/de/home/eu/europaeische-union/entstehung-eu.html

[7]https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Europa/Die_EU_auf_einen_Blick/Entwicklung_der_EU/entwicklung_der_eu.html

[8]https://www3.kaiserslautern.de/wb/pages/basisinformationen/geschichte-der-eu.php

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Künstliche Befruchtung in Deutschland

Geschichte und Methoden

1978 gelang es britischen Forscher*innen erstmals, eine In-Vitro-Fertilisation (IVF), also eine Befruchtung von Eizellen in einem Reagenzglas, außerhalb des Mutterleibs, durchzuführen.[1]Die Embryonen (befruchteten Eizellen) werden bei einer IVF nach der Befruchtung in die Gebärmutter der Frau übertragen. In Deutschland kam 1982 das erste Baby zur Welt, das In-Vitro gezeugt wurde.

2015 ließen sich insgesamt 58.000 Frauen in IVF-Zentren in Deutschland mit einer künstlichen Befruchtung behandeln. Ca. jede dritte Frau davon wurde schwanger, 20% davon waren Fehlgeburten.

Neben der In-Vitro-Fertilisation gibt es noch weitere Methoden, eine Eizelle künstlich zu befruchten. Bei der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) zum Beispiel, wird das Spermium direkt in das Zytoplasma der Eizelle eingespritzt.[2]

Gesetzeslage EU/Deutschland

Die rechtliche Lage zur künstlichen Befruchtung ist in den einzelnen Ländern der Europäischen Union sehr unterschiedlich geregelt. Das Max-Planck-Institut für internationales und ausländisches Strafrecht legte 2001 fest: als homologe Inseminationwird die Befruchtung der Eizelle einer Frau mit den Spermien des Ehepartners, bzw. des eingetragenen Partners bezeichnet. Diese ist in den meisten EU-Staaten (wie z.B. Deutschland, Dänemark, Österreich oder Italien) zugelassen.[3]

Ist der Samenspender nicht der festgefügte Partner oder Ehemann, wird dies donogene oder heterogene Befruchtung genannt. Diese Form der Befruchtung ist in Deutschland verboten und kann bei Durchführung im Ausland juristisch und ethisch sehr problematisch sein, insbesondere wenn die Herkunft der Samenspende anonymisiert ist.[4]Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland streng verboten. Frauen können jedoch Eizellen vorübergehend einfrieren lassen und auf diese zurückgreifen, wenn der erste Inseminationsversuch nicht klappt.[5]

Sonderregelungen in Deutschland 

Das Embryoschutzgesetz (ESchG) wurde 1990 zum ersten Mal in Deutschland eingeführt und ist von Kinderwunschzenten und Samenbanken streng zu beachten. 2011 wurde das ESchG um die Regelung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) erweitert. Diese erlaubt es, Gentests an den Embryonen durchzuführen, um mögliche Erbkrankheiten oder Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen.[6]Es sieht außerdem vor, dass jede Person dazu berechtigt ist, Informationen zur eigenen biologischen Abstammung zu erhalten. Ärzt*innen müssen sich an eine durch die Ärztekammer eigens geregelte Bundesordnung halten.

Diese ist immer wieder aufgrund des zwingenden Familienstandes sehr umstritten. Besonders homosexuelle Paare hatten bis zur Einführung des Gesetzes der gleichgeschlechtlichen Ehe im Oktober 2017 in Deutschland kaum die Möglichkeit, eine künstliche Befruchtung in Anspruch zu nehmen.[7]

Es gibt inzwischen Sonderregelungen für lesbische oder alleinstehende Frauen, die eine donogene Insemination mancher Ärzt*innen innerhalb Deutschlands erlaubt. Zudem können diese Frauen eine künstliche Befruchtung in den USA oder in Dänemark, sowie in Schweden oder Spanien durchführen lassen.[8]

Kostenübernahme

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen seit 2004 nur noch 50% der ersten drei Versuche, vorher wurden 100% bei vier Versuchen übernommen. Daraufhin sank ebenso die Anzahl an künstlichen Befruchtungen in Deutschland, weshalb einige gesetzliche Krankenkassen in Deutschland nun voneinander unabhängige Regelungen eingeführt haben.[9]

Von privaten Krankenkassen werden die Kosten der künstlichen Fertilisation in meisten Fällen ganz übernommen, sofern der/die Inanspruchnehmer*in der/die Verursacher*in ist. Für die Kostenübernahme der Krankenkasse von Insemination oder In-Vitro-Fertilisation sind jedoch einige Voraussetzungen zu beachten, welche im Fünften Buch – Sozialgesetzesbuch festgehalten wurden.[10]

Seit 2016 übernimmt ein Bund in Deutschland einen Teil der Kosten der künstlichen Befruchtung für unverheiratete Paare.[11]


[1]https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Louise-Brown-ist-Mutter-geworden-390558.html

[2]https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/246449/kuenstliche-befruchtung

[3]https://web.archive.org/web/20140426222424/https://www.aekno.de/downloads/archiv/2007.06.027.pdf

[4]https://dejure.org/gesetze/BGB/1600.html

[5]https://www1.wdr.de/wissen/mensch/kinderwunschbehandlung-verbotene-methoden-100.html

[6]https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/246449/kuenstliche-befruchtung

[7]https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ehe-fuer-alle-das-aendert-sich-fuer-homosexuelle-paare-1.3567752

[8]https://taz.de/!325797/

[9]https://www.wunschkinder.net/aktuell/featured/kunstliche-befruchtung-welche-krankenkassen-zahlen-mehr-5265/

[10]https://dejure.org/gesetze/SGB_V/27a.html

[11]https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/kuenstliche-befruchtung-zuschuss-fuer-unverheiratete-14002023.html

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Anti-Baby-Pille

Begriffserklärung

Die Anti-Baby-Pille (umgangssprachlich auch Pille) ist ein Kontrazeptivum, also ein in diesem Fall hormonelles Verhütungsmittel zur Einnahme für Frauen. Die Ovulation wird meist durch ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat gehemmt. Ein solches Hormonpräparat ist inzwischen auch als Mikropille bekannt. Früher wurden Pillen mit einer höheren Östrogendosierung verabreicht (bis zu 50mg Östrogen).

Zudem gibt es sogenannte Minipillen, welche ausschließlich das Hormon Gestagen enthalten.Es wird zwischen Ein-, Zwei oder Dreiphasenpillen unterschieden.[1]

Geschichte USA/Deutschland

Die Idee der Anti-Baby-Pille geht in das Jahr 1920 zurück. Zwei amerikanische Frauenrechtlerinnen, die Krankenpflegerin Margaret Sanger und die Biologin Kathrine McCormick, schlossen sich zusammen und klärten in der von ihnen gegründeten „American Birth Control League“ Frauen über mögliche Verhütungsmethoden auf und engagierten sich dafür, die aktuelle Gesetzeslage in den USA zu ändern.

Zusammen mit dem Endokrinologen Gregory Pincus und weiteren Unterstützer*innen entwickelten Sanger und McComrick 1951 eine Methode, künstliches Progesteron und Östrogen herzustellen. Sie entdeckten dabei, dass Progesteron den Eisprung unterbindet und durch Zufall, dass Östrogen die Einnahme der Anti-Baby-Pille verträglicher macht.

1957 wurde in den USA nach mehreren klinischen Tests erstmals die Anti-Baby-Pille zugelassen – anfangs noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden. Am 18. August 1960 kam die Pille unter dem Namen „Envoid“ in Nordamerika als Verhütungsmittel zum ersten Mal auf den Markt. Ein Jahr später war dann auch ein ähnliches Präparat in Deutschland erhältlich. Unter dem Markennamen „Anovlar“ wurde dort eine Pille zunächst ausschließlich verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben und sollte auch offiziell nur bei Menstruationsbeschwerden helfen.

Kritische Stimmen protestierten gegen die Einführung des Verhütungsmittels. Dieses würde „außerehelichen Geschlechtsverkehr“ fördern und die „allgemeine Aufweichung der sittlichen Zucht“ unterstützen. 

Auch Ärzte (bewusst nicht gegendert) warnten 1964 vor einer „wachsenden Sexualisierung des öffentlichen Körpers“.

Mit der 68er-Bewegung kam es ein paar Jahre später unter anderem zu einer sexuellen Revolution. Sex wurde plötzlich öffentlich diskutiert. Frauen setzten sich mehr und mehr für das Recht ein, frei über sich und ihren Körper bestimmen zu dürfen: Sexualität sollte künftig auch frei und ohne Fortpflanzungshintergrund praktiziert werden können. 

Die Pille wird häufig für den Einbruch der Geburtenrate verantwortlich gemacht (heute auch als „Pillenkick“ bekannt), welcher unter anderem in Westdeutschland nach dem „Babyboom“ eintrat. Heutige Interpretationen bestreiten diese Annahme jedoch meist. In Deutschland kam es nach der Einführung von „Anovlar“ erstmal zum Anstieg der Geburtenrate. In Amerika ging diese schon vor der Einführung des Erstpräparats zurück. Nach der Industrialisierung sehnten sich besonders Frauen nach einer veränderten Lebensweise, nach Autonomie, Selbstverwirklichung und nach Erwerbstätigkeit.[2]

Pille heute

Die Pille hat sich innerhalb der letzten Jahre als das meistgenutzte Verhütungsmittel erwiesen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nahm bis 2015 mehr als jede zweite Frau zwischen 18 und 49 Jahren die Anti-Baby-Pille.[3] Bis heute zählt sie mit einem Pearl-Index von 0,3 (es werden somit von 1000 Frauen in einem Jahr 3 davon schwanger) zu den sichersten Verhütungsmitteln.[4]

Die Einnahme der Pille wurde in den letzten Jahren jedoch auch sehr kritisch betrachtet. Durch die ständige Zufuhr künstlich hergestellter Hormone, kann die Einnahme der Pille das Thrombose-, Bluthochdruck- oder Brustkrebsrisiko erhöhen. Weitere Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Übelkeit, Migräne oder depressive Verstimmungen halten immer mehr Frauen von der Anwendung dieser Verhütungsmethode ab.[5]

Kostenübernahme Deutschland

In Deutschland werden die Kosten für die Pille seit 29. März 2019 für Frauen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Diese Kostenübernahme gilt auch für den Anspruch auf ärztlich verordnete Notfallkontrazeptiva. Privatversicherte Frauen müssen die Pille selbst bezahlen.[6]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag soll weder zum Kauf der Pille anregen noch ein Absetzen dessen unterstützen. Jede*r bestimmt eigenständig, welches/ob ein Verhütungsmittel für sie*/ihn passend ist, bzw sollte dies mit einer Medizinerin* oder einem Mediziner abklären. Alle in diesem Artikel erwähnten Informationen wurden eigenständig recherchiert und unterliegen keiner ärztlichen Aussage.

Die Pille ist bis heute ausschließlich für Frauen vorgesehen. Solche Kontrazeptiva für das andere Geschlecht sind bisher noch nicht zum Verkauf zugelassen. Mit dem Wirkstoff 11-Beta-Methyl-19-Nortestosteron-Dodekylcarbonat wird in den USA derzeit ein ähnliches Präparat, in Form einer Hormonspritze, nun auch für die Personen, die männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, erforscht.[7]


[1]https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/arzneimittel-medizinische-hintergruende/pille/pillensorten-2066554

[2]https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/210997/55-jahre-pille-

[3]https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung/pdf/BZGA-11-00988_Verhue_tungsverhalten_Erwachsener_DE_low.pdf

[4]Michael von Wolff, Petra Stute: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Das Praxisbuch. Schattauer Verlag, 2013

[5]Combined hormonal contraceptives, Risikobewertungsverfahren

[6]https://www.kbv.de/html/1150_39882.php

[7]https://www.welt.de/wissenschaft/article190922849/Verhuetung-Pille-fuer-den-Mann-laut-Forschern-fast-startklar.html

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Pädophilie


Begriffserklärung

„Pädophilie“beschreibt wiederkehrende, stark sexuell anregende Zwänge, Fantasien oder Verhaltensweisen unter Einbeziehung von Kindern. Im Gegensatz zur Hebephilie, bei der sich Männer/Frauen zu Jungen/Mädchen im pubertären Alter hingezogen fühlen, sind Betroffene der Pädophilie meist an Kindern im Alter von 12 Jahren oder jünger interessiert.

Das sexuelle Interesse der von Hebephilie betroffenen Personen wird zudem in Ephebophilie (Interesse an männlichen Jugendlichen) und Parthenophilie (Interesse an weiblichen Jugendlichen) eingeteilt.[1]

Richtet sich die pädophile Störung an Kinder unter drei Jahren, spricht man von Infantophilie.

Pädosexualität wird einerseits als Synonym, andererseits zur Unterschiedung für den Begriff der Pädophilie verwendet. Betroffene einer sexuellen Missbrauchstat empfinden „Pädophilie“ oft als zu verschleiert und verharmlost. Pädosexuelle Personen sehen in dem Begriff selbst eher eine klare sexuelle Neigung, wie es Bi-, Homo- oder Heterosexualität sind. Zudem unterscheiden sich Pädophile und Pädosexuelle auch häufig darin, dass erstere sich nicht sexuell zu Kindern/jungen Jugendlichen hingezogen fühlen, sondern sich in diese verlieben.[2]

Die sexuelle Orientierung pädophiler Menschen wird ebenso in homo-, bi- oder heterosexuelle Pädophilie eingeteilt.[3]

Prävalenz und pädophile Sexualpräferenz

Zuverlässige Angaben zur Prävalenz pädophiler Personen gibt es kaum. Internationale Studien geben an, dass rund 1% aller erwachsenen Personen, die sich als männlich lesen eine primärpädophile Ausrichtung haben. Die Uni Regensburg stellte bei 8700 männlichen Teilnehmern eine pädophile Neigung bei weniger als 0,1% fest.[4]

Bei Pädophilen geht man im Allgemeinen von einer primären sexuellen Ausrichtung auf Kinder aus. Diese muss nicht zwingend koital sein, in vielen Fällen reicht Körperkontakt, eine Berührung des Kindes an einer Stelle, die nicht den Genitalbereich inkludiert, die zur Erregung führt. Ein Teil der von Pädophilie betroffenen Personen schließt sexuellen Kontakt aus.[5]

Neben dem sexuellen Interesse steht das Verlangen nach emotionaler Nähe und einer Liebesbeziehung oft im Vordergrund. Pädophile sind häufig einsam und empfinden ihre Lebenslage als instabil, da sie ihre sexuellen Bedürfnisse nicht ausleben können.

Aus Angst vor juristischen Konsequenzen und genereller Abneigung pädosexueller Verhaltensweisen, nützen Betroffene häufig Medien wie etwa Kinderpornographie als Stimulation. Die Täterprofile wurden bisher zwar in Typologien eingeteilt, sie sind aber durchaus heterogen.[6]

Auch die pädophile Neigung bei Frauen wurde bereits nachgewiesen.

Gesetzesregelung und aktuelle Studienlage

Im §176 des StGBs in Deutschland ist Pädophilie unter sexuellem Missbrauch an Kindern geregelt. Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt an, dass sich die Anzahl pädophiler Personen in Deutschland, welche nur sehr schwer messbar ist, über die letzten Jahren nicht stark verändert hat. Viele davon seien Artefakte, so die PKS.[7]

Internationale Studien geben an, dass die Rückfallquote Betroffener mit 40-50% ca. doppelt so hoch ist, wie die bei anderen Sexualdelikten (durchschnittlich rund 22%).[8]

Kinder reagieren laut einer Studie des Psychoanalytikers Gerd Rudolf unterschiedlich auf sexuellen Missbrauch. Einige erleiden traumatische Folgen, wobei der Begriff „Traumatisierierung“, sagt Rudolf, differenziert betrachtet werden muss. Ebenso sei die Zuschreibung einer „Opferidentität“ ungerechtfertigt und für einen therapeutischen Verlauf kontraproduktiv.[9] Betroffene Kinder fühlen sich häufig wertlos und schuldig. Mögliche Folgen können aggressives Verhalten, das Vermeiden von Beziehungen, Suchtprobleme, Depressionen, Selbstbestrafungstendenzen und viele weitere sein.

Sexualität wird durch das Erleben von sexuellem Missbrauch mit einer Belohnung in Verbindung gebracht, weil es zum Beispiel mit Zärtlichkeit und liebevoller Zuwendung einhergeht. Folglich fällt es betroffenen Kindern später manchmal schwer zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden.[10]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag beinhaltet ausschließlich eigenständig recherchierte Informationen. Es ist zudem wichtig zum Abschluss nochmal zu erwähnen, dass Betroffene der Pädophilie, vorgefallene Missbrauchshandlungen und betroffene Kinder von sexuellen Übergriffen nicht einheitlich zu betrachten sind. Es gibt immer unterschiedlich starke Ausprägungen, verschiedene Verhaltensweisen und jährlich neue Studienergebnisse und Kriminalstatistiken. Ich verwende ungern die Begriffe „Täter“ oder „Opfer“, da diese häufig undifferenziert angewandt werden und einer gesellschaftlich stark gefärbten Wertung unterliegen.


[1]Magnus Hirschfeld: Vom Wesen der Liebe. Zugleich ein Beitrag zur Lösung der Frage der Bisexualität. Verlag Max Spohr, Leipzig 1906

[2]Christoph J. Ahlers, Gerard A. Schaefer, Klaus M. Beier: Das Spektrum der Sexualstörungen und ihre Klassifizierbarkeit.

[3]Claudia Bundschuh: Pädosexualität. Entstehungsbedingungen und Erscheinungsformen. Leske + Budrich, Opladen 2001

[4]Beate Dombert, Alexander F. Schmidt, Rainer Banse, Peer Briken, Jürgen Hoyer, Janina Neutze, Michael Osterheider: How Common is Men’s Self-Reported Sexual Interest in Prepubescent Children? In: Journal of sex research

[5]Horst Vogt: Pädophilie. Leipziger Studie zur gesellschaftlichen und psychischen Situation pädophiler Männer. Pabst Science Publishers, Lengerich 2006

[6]Erwin Heaberle: dtv-Atlas Sexualität. München 2005

[7]Polizeiliche Kriminalstatistik 2018, BKA

[8] Rudolf Egg u. a.: Evaluation von Straftäterbehandlungsprogrammen in Deutschland. Überblick und Meta-Analyse. Behandlung gefährlicher Straftäter. In: Behandlung „gefährlicher Straftäter“

[9] Gerd Rudolf: Opferüberzeugungen. Die „neuen Störungsbilder“. Faszination und Schwierigkeiten

[10]https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/risikofaktoren/sexueller-missbrauch/psychische-folgen/

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Geschlechtsoption: Divers

Gesetzeslage Deutschland

Neben weiblich, männlich und der Option, den Eintrag des Geschlechts offen zu lassen gibt es in Deutschland seit dem 22. Dezember 2018 die Möglichkeit, das Geschlecht divers im Personenstandsregister eintragen zu lassen. Die Option bezieht sich auf eine nichtbinäre Geschlechteridentität, auch Intersexualität genannt.[1]

Der §22, Absatz 3 des Personenstandsgesetzes (PStGs) schließt damit alle Personen ein, deren Geschlecht bei der Geburt rechtlich offengelassen wurde und diejenigen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen.

In Deutschland werden jährlich rund 150 intergeschlechtliche Menschen zur Welt gebracht. 

Für Eltern besteht nach wie vor die Möglichkeit, bei der Geburt über das Geschlecht ihres Kindes zu bestimmen, weshalb zudem die Geschlechter weiblich oder männlich ausgewählt werden können.[2]

Wird der Geschlechtereintrag rechtlich geändert, muss von der betroffenen Person eine Erklärung und ein ärztliches Attest vorliegen (PStG §45b). Zweiteres soll bestätigen, dass eine “Variante der Geschlechtsentwicklung“ vorliegt. Kinder unter 14 Jahren benötigen eine Erklärung der Eltern, Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren müssen eigenständig eine Erklärung verfassen, die Änderung im Register kann jedoch nur mit Zustimmung der Eltern geschehen. Verweigern diese den gewünschten Geschlechtereintrag, entscheiden Familiengerichte.[3]

Ausnahmefälle

In Ausnahmefällen kann ohne ein Attest und mit einer eidesstaatlichen Versicherung eine Geschlechteränderung im Register vollzogen werden.[4] Einer dieser Ausnahmefälle ist, wenn kurz nach der Geburt eine geschlechtszuweisende Operation vollzogen worden ist, es aber keinen Nachweis dafür gibt. Für viele Menschen ist eine nachträgliche Untersuchung unzumutbar.

Reisepass und Meldebescheinigung

Das deutsche Passgesetz ersetzt die Geschlechtsbezeichnung divers im Reisepass bisher mit einem X. Das Bundesmeldeamt hat noch keine ausdrückliche Regelung für diversgeschlechtliche Personen vorgesehen. 

Poltische Diskussion

Grüne, Linke und die FDP fordern eine Unterlassung des ärztlichen Gutachtens für intergeschlechtliche Menschen und somit eine Überarbeitung des Gesetzes. Zudem kritisieren Linke und Grüne den fehlenden Zugang transgeschlechtlicher Personen, welche sich ihrem bei der Geburt aufgrund von äußeren Geschlechtsmerkmalen zugewiesenem Geschlecht nicht zugehörig fühlen.

Die AfD lehnt das Gesetz mit der Begründung ab, dass das Geschlecht „ein objektiver Sachverhalt“ sei und nun zu einer „persönlichen Empfindlichkeit“ werde.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) merkt an, dass das Gesetz Intersexualität zu sehr auf körperliche Abweichungen reduziert wird und psychische und soziale Faktoren Großteiles ausgelassen werden.

Der Bundesverband intersexueller Menschen in Deutschland sieht in der Einführung des Gesetzes einen ersten Fortschritt, fordert aber ein Verbot genitalzuweisender Operationen, welches bislang unberührt geblieben ist.[5]

Einschub: Genitaloperationen bei Kindern

Die Zahl der kosmetischen Genitaloperationen bei Kindern unter zehn Jahren ist seit 2005 fast konstant geblieben, sogar ein wenig angestiegen, so eine Studie der Universität Bochum.

2016 wurden 2.079 feminisierende und maskulinisierende chirurgische Eingriffe vollzogen, im Jahr zuvor waren es noch 170 weniger. Im gesamten Untersuchungszeitraum wurden im Durchschnitt jährlich 1871 Operationen durchgeführt. Bei solchen Eingriffen werden zum Beispiel Keimdrüsen entfernt, die Klitoris amputiert oder in anderen Fällen eine künstliche Vulva hergestellt.

Autor*innen der Studie kritisieren, dass geschlechtszuweisende Operationen oft durchgeführt werden, obwohl keine medizinische Notwendigkeit dafür vorliegt. Meist sollen sie die „Verunsicherung und soziale Beschämung der Eltern und Kinder“ vorbeugen.

Normangleichende Operationen an Genitalien von Kindern in nichteinwilligungsfähigem Alter werden als menschenrechtsverletzend kritisiert.[6]

Anmerkung zum Schluss

Für diesen Artikel wurden hauptsächlich Informationen zur Gesetzesänderung recherchiert. Sollten Begriffe der Intersexualität oder Transsexualität falsch verwendet worden sein, bitte ich um Hinweise. Dieser Beitrag soll keine Geschlechtergruppen diskriminieren, er dient 


[1]https://www.duden.de/rechtschreibung/divers

[2]https://www.gesetze-im-internet.de/pstg/__22.html

[3]https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/drittes-geschlecht-identitaet-zuordnung-auswirkungen-gesetz-faq#worum-geht-es-bei-dem-gesetz

[4]https://www.gesetze-im-internet.de/pstg/__45b.html

[5]https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/drittes-geschlecht-identitaet-zuordnung-auswirkungen-gesetz-faq#welche-kritik-gibt-es

[6]https://omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/book/113

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Frauenbewegung in Deutschland – Teil 2


NS-Zeit

Auch in der Zeit des Nationalsozialismus stand die Berufsfähigkeit der Frau außer Frage. Angesehen waren deutsche Frauen, die viele Kinder bekamen und diese streng nach nationalistischen Vorgaben erzogen. Es wurde Wert auf die Erziehung „arischer Kinder“ gelegt, ab 1933 konnten Frauen die als „erbkrank“ oder „asozial“ angesehen waren, zwangssterilisert werden. Verheiratete Frauen durften nicht mehr arbeiten, die Ehe war die einzige Versorgungsstruktur. Auch unverheiratete Frauen wurden nach und nach aus dem Beamtendienst entlassen, nur noch 10% aller Studierenden waren Frauen.

Frauen wurden mit Beginn des Krieges gebraucht und ausgebeutet. Es gab die ersten „Frauenkonzentrationslager“, sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen wurden alltäglich.

Nachkriegszeit

Der zweite Weltkrieg forderte zahlreiche Opfer. In Deutschland lebten kurz nach dem Krieg sieben Millionen mehr Frauen als Männer. Zunächst waren hauptsächlich diese für den Wiederaufbau Deutschlands verantwortlich, bis Kriegsgefangene entlassen wurden, welche Frauen aus den Versorgerrollen drängten. Das Leid der in den Krieg gezogenen Männer stand im Vordergrund, Frauen waren für den Haushalt und die Kindeserziehung verantwortlich.[1]1949 wurde die Gleichberechtigung für Frauen und Männer im Grundgesetz der CDU verankert.[2]

Zaghaft kamen neue Frauenrechtsbewegungen zusammen, aus Angst vor Faschismus, aus Angst vor einem erneuten Kriegsausbruch.

Die Neue Frauenbewegung

In den 1960er Jahren erlaubte der Zugang zur Pille zunächst große Hoffnung auf mehr Freiheit für Frauen, wurde aber schnell zur größeren sexuellen Verfügbarkeit der Frau für den Mann. Mit der Formation der Studierendenbewegung sammelten sich immer mehr Frauen zusammen, die anfangs jedoch auch dort auf patriarchale und sexistische Sichtweisen stießen. Kinderbetreuung oder Reden von Frauen wurden belächelt bis sich 1968 in West-Berlin der Aktionsrat zur Befreiung der Frau zusammenschloss. Weiberräte, Frauenläden und Frauengesprächsgruppen wurden gegründet. Sogenannte Frauenräume schufen Raum für Aufklärung über die gesellschaftliche Stellung der Frau. Kritik am Patriarchat und die Bereitschaft zu radikalem Widerstand hatten erstmals Platz. Simone de Beauvoir war eine wichtige Schriftstellerin dieser Zeit.

1968 protestierten viele Menschen gegen den §218 und kämpften so für die Legalisierung der Abtreibung – vergeblich. Es gab allerdings erste Sonderregelungen, Frauenhäuser wurden errichtet, Gewalt in der Ehe und sexuelle Übergriffe waren erstmals politisch.

In den 1980er Jahren kam es zu Veränderungen in der Frauenbewegung in Deutschland. Für den Staat und Unternehmen war Frauenförderung immer wichtiger. Gesellschaftliche Rechte und die Kritik an Prostitution und Pornografie wurden erstmals anerkannt.

In den 1990er Jahren gab es nochmals einen Umschwung in der Frauenbewegung. Dank Judith Butler wurde das Thema „Gender Trouble“ diskutiert, die neue Frauenbewegung inkludierte jeden/jede der/die sich als Frau fühlte. Der neue sexpositive und liberale Feminismus brachte allerdings auch Gegenwind mit sich. Die ersten antifeministischen Bewegungen diskriminierten Frauen, sie sich für Frauenrechte engagierten, Lesben wurden beleidigt.

Pornografie und Prostitution verstanden mitunter Feministinnen der liberalen Frauenbewegung als Form der sexuellen Freiheit.

Über radikalen Feminismus, der eben genannte Bereiche kritisierte, sagte man er sei sexfeindlich, auch wenn mannfokussierter Sex bestimmt keine Befreiung für die Frau darstellte. 

Die Spaltung zwischen dem liberalen und radikalen Feminismus ist auch heute vor allem im Netz klar zu erkennen.[3] Dass das Patriarchat noch immer dominiert, zeigte zum Beispiel die Debatte um Harvey Weinstein vor wenigen Jahren, sowie Unmengen weiterer Fälle von sexueller Gewalt und Übergriffigkeit. Die Belästigung von Frauen und die Vertuschung davon werden häufig nicht aufgedeckt.

Die geschlechterungleiche Bezahlung oder die Diskriminierung am Arbeitsplatz, sowie viele andere wichtige Bereiche der Frauenbewegung wurden in diesem Artikel nicht ausreichend behandelt.

Zwei Buchempfehlungen die ich hier noch anbringen möchte:


[1]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[2]http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/271712/gleichberechtigung

[3]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

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Frauenbewegung in Deutschland – Teil 1

Industrialisierung

Die Industrialisierung war für die erstmalige Unterscheidung zwischen Haus- und Lohnarbeit verantwortlich. Menschen, die keinen Besitz hatten, mussten arbeiten gehen. Zunächst wurden Frauen für Hausarbeit und Kinderbetreuung eingesetzt, später erstmals als Arbeitskräfte gebraucht und vor allem auch missbraucht. Niedrigere Löhne, 12-14-Stunden-Dienste und nur wenige Urlaubstage im Jahr führten dazu, dass Kinder teilweise schon ab dem 4. Lebensjahr arbeiteten und Frauen sich zusätzlich prostituierten. Für Arbeiter*innen war der Alltag kaum erträglich. Auch Frauen aus bürgerlichen Verhältnissen nahmen eine neue Rolle ein. Sie waren nun Konsument*innen der kapitalistischen Gesellschaft, dennoch wurde auch ihnen der Zugang zu Bildung verwehrt. Frauen durften zwar als Lehrer*innen arbeiten, hatten allerdings keine Möglichkeit einen Schulabschluss oder ein weiterführendes Studium abzuschließen.

Im 19. Jahrhundert argumentierten Männer „wissenschaftlich“, dass Frauen aufgrund der Größe ihres Gehirns dazu gar nicht in der Lage gewesen wären.[1]

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die erste revolutionäre Frauenbewegung in Deutschland entstand um 1848 mit Louise Otto-Peters, als in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien bereits Frauenrechte umgesetzt worden waren. Sie plädierte gemeinsam mit Auguste Schmidt und Henriette Goldschmied für das Frauenwahlrecht, sowie für das Recht der Frauen auf Arbeit und Bildung. [2]

Zu dieser Zeit gab es die ersten Frauenvereine in Deutschland, kurz nach der Gründung der Union für Arbeiterinnen in Frankreich. Diese stellten jedoch bald fest, dass daraus entstehende Konflikte mit Männern unumgänglich waren. Frauen, die für ihre Rechte kämpften, galten als vulgär und unanständig.

1865 begründete der Allgemeine Deutsche Frauenbund (ADF) die bürgerliche Frauenbewegung in Deutschland. Diese lehnte das Frauenwahlrecht ab und setzte sich hauptsächlich für das Bildungs- und Arbeitsrecht deutscher Frauen ein, um so Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu erlangen. Die proletarische Frauenbewegung war enger mit der Arbeiter*innenbewegung verknüpft und forderte radikalere Veränderungen.

1871 wurden erstmals die §218 und §219 erlassen, mehr dazu in dem Beitrag zur Abtreibung in Deutschland.

August Bebel setzte sich damals für Gleichberechtigung ein und forderte Solidarität für Frauen. Damit legte er die Grundlage für die marxistische Emanzipationstheorie, die den Kapitalismus und das Privateigentum als Ursprung allen Übels ausmachte, das Patriarchat als solches jedoch nicht erkannte oder kritisierte.

Nach der Absetzung der Sozialistengesetze (1890) kämpften unterschiedliche aus der proletarischen und bürgerlichen Bewegung Arbeiterinnenvereine für bessere Arbeitsbedingungen und den gleichen Lohn für Frauen und Männer ein. Der Bund deutscher Frauenvereine (BdF) galt als Dachorganisation bürgerlicher Frauenvereine.

Der erste Weltkrieg

Kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, wurde Frauen der Zugang zu Universitäten erlaubt. Damals gab es drei große Flügel in der Frauenbewegung: der radikale Flügel, der für vollständige Gleichberechtigung kämpfte, der gemäßigte und der konservative Flügel, die beide für Arbeits- und Weiterbildungsrecht kämpften, aber grundlegende gesellschaftliche Veränderungen ablehnten.[3]

Die Frauenbewegung blieb auch zur Zeit des ersten Weltkriegs gespalten. Während die meisten Frauen in Versorgungsstrukturen tätig waren und die Frauenbewegung quasi einstellten, kämpften radikale Frauenrechtlerinnen wie Minna Cauer, Clara Zetkin, Emma Ihrer und Lida Gustava Heymann gegen die reglementierte Prostitution von Frauen und für Gleichberechtigung als Teil der proletarischen Frauenbewegung. Sie lehnten den Krieg ab und engagierten sich als Pazifistinnen.[4]Clara Zetkin und Rosa Luxemburg wurden im ersten Weltkrieg inhaftiert. Die proletarische Frauenbewegung wurde als Bedrohung wahrgenommen.

Weimarer Republik

1918 wurde in der Weimarer Republik das allgemeine Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt. An der ersten Wahl am 19. Januar waren 82 Prozent der deutschen Frauen beteiligt.[5]Hedwig Dohm war eine der wichtigsten feministischen Theoretikerinnen dieser Zeit.[6]

Die Nachkriegszeit brachte allerdings auch viele Hürden mit sich: ein plötzlicher Frauenüberschuss aufgrund der gefallenen Soldaten, wodurch es viele alleinerziehende Mütter und entlassene Arbeiterinnen aus der Rüstungsindustrie gab, erschwerte die Situation für Frauen. Helene Stöcker setzte sich damals gemeinsam mit Lida Gustava Heymann für den Zugang zu Verhütungsmitteln ein, der von der bürgerlichen Frauenbewegung strikt abgelehnt wurde.

Clara Zetkin trat 1919 der KPD bei, welche zur zentralen Organisation der proletarischen Frauenbewegung wurde.

Zu Zeiten der Wirtschaftskrise 1929 mussten sich immer mehr Frauen aufgrund von Massenarbeitslosigkeit prostituieren. Armut, Hunger und die Angst keinen Ehemann zu finden, der sie finanziell absichern könnte veranlasste diese Frauen dazu, stümperhafte Abtreibungen durchzuführen an denen jährlich mehr als 50.000 Frauen starben. Das Volksbegehren der KPD gegen den §218 wurde größtenteils wegen der katholischen Kirche nicht weiter beachtet.

Frauenorganisationen rückten immer mehr in den Hintergrund, der Nationalsozialismus wurde von der bürgerlichen Frauenbewegung unkritisch betrachtet. Der Bund deutscher Frauen löste sich 1933 auf, es folgte der „Deutsche Frauenorden“, der die Frauenbewegung unter anderem für die Wirtschaftskrise verantwortlich machte. Er stellte eine NS-Nachfolgeorganisation dar und reduzierte das Frauenbild ausschließlich auf die Mutterschaft.[7]


[1]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[2]Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, Bonn 1993, S. 15

[3]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[4] Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, Bonn 1993, S. 30ff

[5]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[6]Helene Lange: Lebenserinnerungen. Im Beruf

[7]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/