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Anti-Baby-Pille

Begriffserklärung

Die Anti-Baby-Pille (umgangssprachlich auch Pille) ist ein Kontrazeptivum, also ein in diesem Fall hormonelles Verhütungsmittel zur Einnahme für Frauen. Die Ovulation wird meist durch ein Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparat gehemmt. Ein solches Hormonpräparat ist inzwischen auch als Mikropille bekannt. Früher wurden Pillen mit einer höheren Östrogendosierung verabreicht (bis zu 50mg Östrogen).

Zudem gibt es sogenannte Minipillen, welche ausschließlich das Hormon Gestagen enthalten.Es wird zwischen Ein-, Zwei oder Dreiphasenpillen unterschieden.[1]

Geschichte USA/Deutschland

Die Idee der Anti-Baby-Pille geht in das Jahr 1920 zurück. Zwei amerikanische Frauenrechtlerinnen, die Krankenpflegerin Margaret Sanger und die Biologin Kathrine McCormick, schlossen sich zusammen und klärten in der von ihnen gegründeten „American Birth Control League“ Frauen über mögliche Verhütungsmethoden auf und engagierten sich dafür, die aktuelle Gesetzeslage in den USA zu ändern.

Zusammen mit dem Endokrinologen Gregory Pincus und weiteren Unterstützer*innen entwickelten Sanger und McComrick 1951 eine Methode, künstliches Progesteron und Östrogen herzustellen. Sie entdeckten dabei, dass Progesteron den Eisprung unterbindet und durch Zufall, dass Östrogen die Einnahme der Anti-Baby-Pille verträglicher macht.

1957 wurde in den USA nach mehreren klinischen Tests erstmals die Anti-Baby-Pille zugelassen – anfangs noch als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden. Am 18. August 1960 kam die Pille unter dem Namen „Envoid“ in Nordamerika als Verhütungsmittel zum ersten Mal auf den Markt. Ein Jahr später war dann auch ein ähnliches Präparat in Deutschland erhältlich. Unter dem Markennamen „Anovlar“ wurde dort eine Pille zunächst ausschließlich verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verschrieben und sollte auch offiziell nur bei Menstruationsbeschwerden helfen.

Kritische Stimmen protestierten gegen die Einführung des Verhütungsmittels. Dieses würde „außerehelichen Geschlechtsverkehr“ fördern und die „allgemeine Aufweichung der sittlichen Zucht“ unterstützen. 

Auch Ärzte (bewusst nicht gegendert) warnten 1964 vor einer „wachsenden Sexualisierung des öffentlichen Körpers“.

Mit der 68er-Bewegung kam es ein paar Jahre später unter anderem zu einer sexuellen Revolution. Sex wurde plötzlich öffentlich diskutiert. Frauen setzten sich mehr und mehr für das Recht ein, frei über sich und ihren Körper bestimmen zu dürfen: Sexualität sollte künftig auch frei und ohne Fortpflanzungshintergrund praktiziert werden können. 

Die Pille wird häufig für den Einbruch der Geburtenrate verantwortlich gemacht (heute auch als „Pillenkick“ bekannt), welcher unter anderem in Westdeutschland nach dem „Babyboom“ eintrat. Heutige Interpretationen bestreiten diese Annahme jedoch meist. In Deutschland kam es nach der Einführung von „Anovlar“ erstmal zum Anstieg der Geburtenrate. In Amerika ging diese schon vor der Einführung des Erstpräparats zurück. Nach der Industrialisierung sehnten sich besonders Frauen nach einer veränderten Lebensweise, nach Autonomie, Selbstverwirklichung und nach Erwerbstätigkeit.[2]

Pille heute

Die Pille hat sich innerhalb der letzten Jahre als das meistgenutzte Verhütungsmittel erwiesen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nahm bis 2015 mehr als jede zweite Frau zwischen 18 und 49 Jahren die Anti-Baby-Pille.[3] Bis heute zählt sie mit einem Pearl-Index von 0,3 (es werden somit von 1000 Frauen in einem Jahr 3 davon schwanger) zu den sichersten Verhütungsmitteln.[4]

Die Einnahme der Pille wurde in den letzten Jahren jedoch auch sehr kritisch betrachtet. Durch die ständige Zufuhr künstlich hergestellter Hormone, kann die Einnahme der Pille das Thrombose-, Bluthochdruck- oder Brustkrebsrisiko erhöhen. Weitere Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Übelkeit, Migräne oder depressive Verstimmungen halten immer mehr Frauen von der Anwendung dieser Verhütungsmethode ab.[5]

Kostenübernahme Deutschland

In Deutschland werden die Kosten für die Pille seit 29. März 2019 für Frauen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Diese Kostenübernahme gilt auch für den Anspruch auf ärztlich verordnete Notfallkontrazeptiva. Privatversicherte Frauen müssen die Pille selbst bezahlen.[6]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag soll weder zum Kauf der Pille anregen noch ein Absetzen dessen unterstützen. Jede*r bestimmt eigenständig, welches/ob ein Verhütungsmittel für sie*/ihn passend ist, bzw sollte dies mit einer Medizinerin* oder einem Mediziner abklären. Alle in diesem Artikel erwähnten Informationen wurden eigenständig recherchiert und unterliegen keiner ärztlichen Aussage.

Die Pille ist bis heute ausschließlich für Frauen vorgesehen. Solche Kontrazeptiva für das andere Geschlecht sind bisher noch nicht zum Verkauf zugelassen. Mit dem Wirkstoff 11-Beta-Methyl-19-Nortestosteron-Dodekylcarbonat wird in den USA derzeit ein ähnliches Präparat, in Form einer Hormonspritze, nun auch für die Personen, die männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen, erforscht.[7]


[1]https://www.tk.de/techniker/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/arzneimittel-medizinische-hintergruende/pille/pillensorten-2066554

[2]https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/210997/55-jahre-pille-

[3]https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung/pdf/BZGA-11-00988_Verhue_tungsverhalten_Erwachsener_DE_low.pdf

[4]Michael von Wolff, Petra Stute: Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Das Praxisbuch. Schattauer Verlag, 2013

[5]Combined hormonal contraceptives, Risikobewertungsverfahren

[6]https://www.kbv.de/html/1150_39882.php

[7]https://www.welt.de/wissenschaft/article190922849/Verhuetung-Pille-fuer-den-Mann-laut-Forschern-fast-startklar.html

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Pädophilie


Begriffserklärung

„Pädophilie“beschreibt wiederkehrende, stark sexuell anregende Zwänge, Fantasien oder Verhaltensweisen unter Einbeziehung von Kindern. Im Gegensatz zur Hebephilie, bei der sich Männer/Frauen zu Jungen/Mädchen im pubertären Alter hingezogen fühlen, sind Betroffene der Pädophilie meist an Kindern im Alter von 12 Jahren oder jünger interessiert.

Das sexuelle Interesse der von Hebephilie betroffenen Personen wird zudem in Ephebophilie (Interesse an männlichen Jugendlichen) und Parthenophilie (Interesse an weiblichen Jugendlichen) eingeteilt.[1]

Richtet sich die pädophile Störung an Kinder unter drei Jahren, spricht man von Infantophilie.

Pädosexualität wird einerseits als Synonym, andererseits zur Unterschiedung für den Begriff der Pädophilie verwendet. Betroffene einer sexuellen Missbrauchstat empfinden „Pädophilie“ oft als zu verschleiert und verharmlost. Pädosexuelle Personen sehen in dem Begriff selbst eher eine klare sexuelle Neigung, wie es Bi-, Homo- oder Heterosexualität sind. Zudem unterscheiden sich Pädophile und Pädosexuelle auch häufig darin, dass erstere sich nicht sexuell zu Kindern/jungen Jugendlichen hingezogen fühlen, sondern sich in diese verlieben.[2]

Die sexuelle Orientierung pädophiler Menschen wird ebenso in homo-, bi- oder heterosexuelle Pädophilie eingeteilt.[3]

Prävalenz und pädophile Sexualpräferenz

Zuverlässige Angaben zur Prävalenz pädophiler Personen gibt es kaum. Internationale Studien geben an, dass rund 1% aller erwachsenen Personen, die sich als männlich lesen eine primärpädophile Ausrichtung haben. Die Uni Regensburg stellte bei 8700 männlichen Teilnehmern eine pädophile Neigung bei weniger als 0,1% fest.[4]

Bei Pädophilen geht man im Allgemeinen von einer primären sexuellen Ausrichtung auf Kinder aus. Diese muss nicht zwingend koital sein, in vielen Fällen reicht Körperkontakt, eine Berührung des Kindes an einer Stelle, die nicht den Genitalbereich inkludiert, die zur Erregung führt. Ein Teil der von Pädophilie betroffenen Personen schließt sexuellen Kontakt aus.[5]

Neben dem sexuellen Interesse steht das Verlangen nach emotionaler Nähe und einer Liebesbeziehung oft im Vordergrund. Pädophile sind häufig einsam und empfinden ihre Lebenslage als instabil, da sie ihre sexuellen Bedürfnisse nicht ausleben können.

Aus Angst vor juristischen Konsequenzen und genereller Abneigung pädosexueller Verhaltensweisen, nützen Betroffene häufig Medien wie etwa Kinderpornographie als Stimulation. Die Täterprofile wurden bisher zwar in Typologien eingeteilt, sie sind aber durchaus heterogen.[6]

Auch die pädophile Neigung bei Frauen wurde bereits nachgewiesen.

Gesetzesregelung und aktuelle Studienlage

Im §176 des StGBs in Deutschland ist Pädophilie unter sexuellem Missbrauch an Kindern geregelt. Die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt an, dass sich die Anzahl pädophiler Personen in Deutschland, welche nur sehr schwer messbar ist, über die letzten Jahren nicht stark verändert hat. Viele davon seien Artefakte, so die PKS.[7]

Internationale Studien geben an, dass die Rückfallquote Betroffener mit 40-50% ca. doppelt so hoch ist, wie die bei anderen Sexualdelikten (durchschnittlich rund 22%).[8]

Kinder reagieren laut einer Studie des Psychoanalytikers Gerd Rudolf unterschiedlich auf sexuellen Missbrauch. Einige erleiden traumatische Folgen, wobei der Begriff „Traumatisierierung“, sagt Rudolf, differenziert betrachtet werden muss. Ebenso sei die Zuschreibung einer „Opferidentität“ ungerechtfertigt und für einen therapeutischen Verlauf kontraproduktiv.[9] Betroffene Kinder fühlen sich häufig wertlos und schuldig. Mögliche Folgen können aggressives Verhalten, das Vermeiden von Beziehungen, Suchtprobleme, Depressionen, Selbstbestrafungstendenzen und viele weitere sein.

Sexualität wird durch das Erleben von sexuellem Missbrauch mit einer Belohnung in Verbindung gebracht, weil es zum Beispiel mit Zärtlichkeit und liebevoller Zuwendung einhergeht. Folglich fällt es betroffenen Kindern später manchmal schwer zwischen Liebe und Sexualität zu unterscheiden.[10]

Anmerkung zum Schluss

Dieser Beitrag beinhaltet ausschließlich eigenständig recherchierte Informationen. Es ist zudem wichtig zum Abschluss nochmal zu erwähnen, dass Betroffene der Pädophilie, vorgefallene Missbrauchshandlungen und betroffene Kinder von sexuellen Übergriffen nicht einheitlich zu betrachten sind. Es gibt immer unterschiedlich starke Ausprägungen, verschiedene Verhaltensweisen und jährlich neue Studienergebnisse und Kriminalstatistiken. Ich verwende ungern die Begriffe „Täter“ oder „Opfer“, da diese häufig undifferenziert angewandt werden und einer gesellschaftlich stark gefärbten Wertung unterliegen.


[1]Magnus Hirschfeld: Vom Wesen der Liebe. Zugleich ein Beitrag zur Lösung der Frage der Bisexualität. Verlag Max Spohr, Leipzig 1906

[2]Christoph J. Ahlers, Gerard A. Schaefer, Klaus M. Beier: Das Spektrum der Sexualstörungen und ihre Klassifizierbarkeit.

[3]Claudia Bundschuh: Pädosexualität. Entstehungsbedingungen und Erscheinungsformen. Leske + Budrich, Opladen 2001

[4]Beate Dombert, Alexander F. Schmidt, Rainer Banse, Peer Briken, Jürgen Hoyer, Janina Neutze, Michael Osterheider: How Common is Men’s Self-Reported Sexual Interest in Prepubescent Children? In: Journal of sex research

[5]Horst Vogt: Pädophilie. Leipziger Studie zur gesellschaftlichen und psychischen Situation pädophiler Männer. Pabst Science Publishers, Lengerich 2006

[6]Erwin Heaberle: dtv-Atlas Sexualität. München 2005

[7]Polizeiliche Kriminalstatistik 2018, BKA

[8] Rudolf Egg u. a.: Evaluation von Straftäterbehandlungsprogrammen in Deutschland. Überblick und Meta-Analyse. Behandlung gefährlicher Straftäter. In: Behandlung „gefährlicher Straftäter“

[9] Gerd Rudolf: Opferüberzeugungen. Die „neuen Störungsbilder“. Faszination und Schwierigkeiten

[10]https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/risikofaktoren/sexueller-missbrauch/psychische-folgen/

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Geschlechtsoption: Divers

Gesetzeslage Deutschland

Neben weiblich, männlich und der Option, den Eintrag des Geschlechts offen zu lassen gibt es in Deutschland seit dem 22. Dezember 2018 die Möglichkeit, das Geschlecht divers im Personenstandsregister eintragen zu lassen. Die Option bezieht sich auf eine nichtbinäre Geschlechteridentität, auch Intersexualität genannt.[1]

Der §22, Absatz 3 des Personenstandsgesetzes (PStGs) schließt damit alle Personen ein, deren Geschlecht bei der Geburt rechtlich offengelassen wurde und diejenigen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen.

In Deutschland werden jährlich rund 150 intergeschlechtliche Menschen zur Welt gebracht. 

Für Eltern besteht nach wie vor die Möglichkeit, bei der Geburt über das Geschlecht ihres Kindes zu bestimmen, weshalb zudem die Geschlechter weiblich oder männlich ausgewählt werden können.[2]

Wird der Geschlechtereintrag rechtlich geändert, muss von der betroffenen Person eine Erklärung und ein ärztliches Attest vorliegen (PStG §45b). Zweiteres soll bestätigen, dass eine “Variante der Geschlechtsentwicklung“ vorliegt. Kinder unter 14 Jahren benötigen eine Erklärung der Eltern, Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren müssen eigenständig eine Erklärung verfassen, die Änderung im Register kann jedoch nur mit Zustimmung der Eltern geschehen. Verweigern diese den gewünschten Geschlechtereintrag, entscheiden Familiengerichte.[3]

Ausnahmefälle

In Ausnahmefällen kann ohne ein Attest und mit einer eidesstaatlichen Versicherung eine Geschlechteränderung im Register vollzogen werden.[4] Einer dieser Ausnahmefälle ist, wenn kurz nach der Geburt eine geschlechtszuweisende Operation vollzogen worden ist, es aber keinen Nachweis dafür gibt. Für viele Menschen ist eine nachträgliche Untersuchung unzumutbar.

Reisepass und Meldebescheinigung

Das deutsche Passgesetz ersetzt die Geschlechtsbezeichnung divers im Reisepass bisher mit einem X. Das Bundesmeldeamt hat noch keine ausdrückliche Regelung für diversgeschlechtliche Personen vorgesehen. 

Poltische Diskussion

Grüne, Linke und die FDP fordern eine Unterlassung des ärztlichen Gutachtens für intergeschlechtliche Menschen und somit eine Überarbeitung des Gesetzes. Zudem kritisieren Linke und Grüne den fehlenden Zugang transgeschlechtlicher Personen, welche sich ihrem bei der Geburt aufgrund von äußeren Geschlechtsmerkmalen zugewiesenem Geschlecht nicht zugehörig fühlen.

Die AfD lehnt das Gesetz mit der Begründung ab, dass das Geschlecht „ein objektiver Sachverhalt“ sei und nun zu einer „persönlichen Empfindlichkeit“ werde.

Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) merkt an, dass das Gesetz Intersexualität zu sehr auf körperliche Abweichungen reduziert wird und psychische und soziale Faktoren Großteiles ausgelassen werden.

Der Bundesverband intersexueller Menschen in Deutschland sieht in der Einführung des Gesetzes einen ersten Fortschritt, fordert aber ein Verbot genitalzuweisender Operationen, welches bislang unberührt geblieben ist.[5]

Einschub: Genitaloperationen bei Kindern

Die Zahl der kosmetischen Genitaloperationen bei Kindern unter zehn Jahren ist seit 2005 fast konstant geblieben, sogar ein wenig angestiegen, so eine Studie der Universität Bochum.

2016 wurden 2.079 feminisierende und maskulinisierende chirurgische Eingriffe vollzogen, im Jahr zuvor waren es noch 170 weniger. Im gesamten Untersuchungszeitraum wurden im Durchschnitt jährlich 1871 Operationen durchgeführt. Bei solchen Eingriffen werden zum Beispiel Keimdrüsen entfernt, die Klitoris amputiert oder in anderen Fällen eine künstliche Vulva hergestellt.

Autor*innen der Studie kritisieren, dass geschlechtszuweisende Operationen oft durchgeführt werden, obwohl keine medizinische Notwendigkeit dafür vorliegt. Meist sollen sie die „Verunsicherung und soziale Beschämung der Eltern und Kinder“ vorbeugen.

Normangleichende Operationen an Genitalien von Kindern in nichteinwilligungsfähigem Alter werden als menschenrechtsverletzend kritisiert.[6]

Anmerkung zum Schluss

Für diesen Artikel wurden hauptsächlich Informationen zur Gesetzesänderung recherchiert. Sollten Begriffe der Intersexualität oder Transsexualität falsch verwendet worden sein, bitte ich um Hinweise. Dieser Beitrag soll keine Geschlechtergruppen diskriminieren, er dient 


[1]https://www.duden.de/rechtschreibung/divers

[2]https://www.gesetze-im-internet.de/pstg/__22.html

[3]https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/drittes-geschlecht-identitaet-zuordnung-auswirkungen-gesetz-faq#worum-geht-es-bei-dem-gesetz

[4]https://www.gesetze-im-internet.de/pstg/__45b.html

[5]https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/drittes-geschlecht-identitaet-zuordnung-auswirkungen-gesetz-faq#welche-kritik-gibt-es

[6]https://omp.ub.rub.de/index.php/RUB/catalog/book/113

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Frauenbewegung in Deutschland – Teil 2


NS-Zeit

Auch in der Zeit des Nationalsozialismus stand die Berufsfähigkeit der Frau außer Frage. Angesehen waren deutsche Frauen, die viele Kinder bekamen und diese streng nach nationalistischen Vorgaben erzogen. Es wurde Wert auf die Erziehung „arischer Kinder“ gelegt, ab 1933 konnten Frauen die als „erbkrank“ oder „asozial“ angesehen waren, zwangssterilisert werden. Verheiratete Frauen durften nicht mehr arbeiten, die Ehe war die einzige Versorgungsstruktur. Auch unverheiratete Frauen wurden nach und nach aus dem Beamtendienst entlassen, nur noch 10% aller Studierenden waren Frauen.

Frauen wurden mit Beginn des Krieges gebraucht und ausgebeutet. Es gab die ersten „Frauenkonzentrationslager“, sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen wurden alltäglich.

Nachkriegszeit

Der zweite Weltkrieg forderte zahlreiche Opfer. In Deutschland lebten kurz nach dem Krieg sieben Millionen mehr Frauen als Männer. Zunächst waren hauptsächlich diese für den Wiederaufbau Deutschlands verantwortlich, bis Kriegsgefangene entlassen wurden, welche Frauen aus den Versorgerrollen drängten. Das Leid der in den Krieg gezogenen Männer stand im Vordergrund, Frauen waren für den Haushalt und die Kindeserziehung verantwortlich.[1]1949 wurde die Gleichberechtigung für Frauen und Männer im Grundgesetz der CDU verankert.[2]

Zaghaft kamen neue Frauenrechtsbewegungen zusammen, aus Angst vor Faschismus, aus Angst vor einem erneuten Kriegsausbruch.

Die Neue Frauenbewegung

In den 1960er Jahren erlaubte der Zugang zur Pille zunächst große Hoffnung auf mehr Freiheit für Frauen, wurde aber schnell zur größeren sexuellen Verfügbarkeit der Frau für den Mann. Mit der Formation der Studierendenbewegung sammelten sich immer mehr Frauen zusammen, die anfangs jedoch auch dort auf patriarchale und sexistische Sichtweisen stießen. Kinderbetreuung oder Reden von Frauen wurden belächelt bis sich 1968 in West-Berlin der Aktionsrat zur Befreiung der Frau zusammenschloss. Weiberräte, Frauenläden und Frauengesprächsgruppen wurden gegründet. Sogenannte Frauenräume schufen Raum für Aufklärung über die gesellschaftliche Stellung der Frau. Kritik am Patriarchat und die Bereitschaft zu radikalem Widerstand hatten erstmals Platz. Simone de Beauvoir war eine wichtige Schriftstellerin dieser Zeit.

1968 protestierten viele Menschen gegen den §218 und kämpften so für die Legalisierung der Abtreibung – vergeblich. Es gab allerdings erste Sonderregelungen, Frauenhäuser wurden errichtet, Gewalt in der Ehe und sexuelle Übergriffe waren erstmals politisch.

In den 1980er Jahren kam es zu Veränderungen in der Frauenbewegung in Deutschland. Für den Staat und Unternehmen war Frauenförderung immer wichtiger. Gesellschaftliche Rechte und die Kritik an Prostitution und Pornografie wurden erstmals anerkannt.

In den 1990er Jahren gab es nochmals einen Umschwung in der Frauenbewegung. Dank Judith Butler wurde das Thema „Gender Trouble“ diskutiert, die neue Frauenbewegung inkludierte jeden/jede der/die sich als Frau fühlte. Der neue sexpositive und liberale Feminismus brachte allerdings auch Gegenwind mit sich. Die ersten antifeministischen Bewegungen diskriminierten Frauen, sie sich für Frauenrechte engagierten, Lesben wurden beleidigt.

Pornografie und Prostitution verstanden mitunter Feministinnen der liberalen Frauenbewegung als Form der sexuellen Freiheit.

Über radikalen Feminismus, der eben genannte Bereiche kritisierte, sagte man er sei sexfeindlich, auch wenn mannfokussierter Sex bestimmt keine Befreiung für die Frau darstellte. 

Die Spaltung zwischen dem liberalen und radikalen Feminismus ist auch heute vor allem im Netz klar zu erkennen.[3] Dass das Patriarchat noch immer dominiert, zeigte zum Beispiel die Debatte um Harvey Weinstein vor wenigen Jahren, sowie Unmengen weiterer Fälle von sexueller Gewalt und Übergriffigkeit. Die Belästigung von Frauen und die Vertuschung davon werden häufig nicht aufgedeckt.

Die geschlechterungleiche Bezahlung oder die Diskriminierung am Arbeitsplatz, sowie viele andere wichtige Bereiche der Frauenbewegung wurden in diesem Artikel nicht ausreichend behandelt.

Zwei Buchempfehlungen die ich hier noch anbringen möchte:


[1]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[2]http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/271712/gleichberechtigung

[3]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

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Frauenbewegung in Deutschland – Teil 1

Industrialisierung

Die Industrialisierung war für die erstmalige Unterscheidung zwischen Haus- und Lohnarbeit verantwortlich. Menschen, die keinen Besitz hatten, mussten arbeiten gehen. Zunächst wurden Frauen für Hausarbeit und Kinderbetreuung eingesetzt, später erstmals als Arbeitskräfte gebraucht und vor allem auch missbraucht. Niedrigere Löhne, 12-14-Stunden-Dienste und nur wenige Urlaubstage im Jahr führten dazu, dass Kinder teilweise schon ab dem 4. Lebensjahr arbeiteten und Frauen sich zusätzlich prostituierten. Für Arbeiter*innen war der Alltag kaum erträglich. Auch Frauen aus bürgerlichen Verhältnissen nahmen eine neue Rolle ein. Sie waren nun Konsument*innen der kapitalistischen Gesellschaft, dennoch wurde auch ihnen der Zugang zu Bildung verwehrt. Frauen durften zwar als Lehrer*innen arbeiten, hatten allerdings keine Möglichkeit einen Schulabschluss oder ein weiterführendes Studium abzuschließen.

Im 19. Jahrhundert argumentierten Männer „wissenschaftlich“, dass Frauen aufgrund der Größe ihres Gehirns dazu gar nicht in der Lage gewesen wären.[1]

Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts

Die erste revolutionäre Frauenbewegung in Deutschland entstand um 1848 mit Louise Otto-Peters, als in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien bereits Frauenrechte umgesetzt worden waren. Sie plädierte gemeinsam mit Auguste Schmidt und Henriette Goldschmied für das Frauenwahlrecht, sowie für das Recht der Frauen auf Arbeit und Bildung. [2]

Zu dieser Zeit gab es die ersten Frauenvereine in Deutschland, kurz nach der Gründung der Union für Arbeiterinnen in Frankreich. Diese stellten jedoch bald fest, dass daraus entstehende Konflikte mit Männern unumgänglich waren. Frauen, die für ihre Rechte kämpften, galten als vulgär und unanständig.

1865 begründete der Allgemeine Deutsche Frauenbund (ADF) die bürgerliche Frauenbewegung in Deutschland. Diese lehnte das Frauenwahlrecht ab und setzte sich hauptsächlich für das Bildungs- und Arbeitsrecht deutscher Frauen ein, um so Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu erlangen. Die proletarische Frauenbewegung war enger mit der Arbeiter*innenbewegung verknüpft und forderte radikalere Veränderungen.

1871 wurden erstmals die §218 und §219 erlassen, mehr dazu in dem Beitrag zur Abtreibung in Deutschland.

August Bebel setzte sich damals für Gleichberechtigung ein und forderte Solidarität für Frauen. Damit legte er die Grundlage für die marxistische Emanzipationstheorie, die den Kapitalismus und das Privateigentum als Ursprung allen Übels ausmachte, das Patriarchat als solches jedoch nicht erkannte oder kritisierte.

Nach der Absetzung der Sozialistengesetze (1890) kämpften unterschiedliche aus der proletarischen und bürgerlichen Bewegung Arbeiterinnenvereine für bessere Arbeitsbedingungen und den gleichen Lohn für Frauen und Männer ein. Der Bund deutscher Frauenvereine (BdF) galt als Dachorganisation bürgerlicher Frauenvereine.

Der erste Weltkrieg

Kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, wurde Frauen der Zugang zu Universitäten erlaubt. Damals gab es drei große Flügel in der Frauenbewegung: der radikale Flügel, der für vollständige Gleichberechtigung kämpfte, der gemäßigte und der konservative Flügel, die beide für Arbeits- und Weiterbildungsrecht kämpften, aber grundlegende gesellschaftliche Veränderungen ablehnten.[3]

Die Frauenbewegung blieb auch zur Zeit des ersten Weltkriegs gespalten. Während die meisten Frauen in Versorgungsstrukturen tätig waren und die Frauenbewegung quasi einstellten, kämpften radikale Frauenrechtlerinnen wie Minna Cauer, Clara Zetkin, Emma Ihrer und Lida Gustava Heymann gegen die reglementierte Prostitution von Frauen und für Gleichberechtigung als Teil der proletarischen Frauenbewegung. Sie lehnten den Krieg ab und engagierten sich als Pazifistinnen.[4]Clara Zetkin und Rosa Luxemburg wurden im ersten Weltkrieg inhaftiert. Die proletarische Frauenbewegung wurde als Bedrohung wahrgenommen.

Weimarer Republik

1918 wurde in der Weimarer Republik das allgemeine Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt. An der ersten Wahl am 19. Januar waren 82 Prozent der deutschen Frauen beteiligt.[5]Hedwig Dohm war eine der wichtigsten feministischen Theoretikerinnen dieser Zeit.[6]

Die Nachkriegszeit brachte allerdings auch viele Hürden mit sich: ein plötzlicher Frauenüberschuss aufgrund der gefallenen Soldaten, wodurch es viele alleinerziehende Mütter und entlassene Arbeiterinnen aus der Rüstungsindustrie gab, erschwerte die Situation für Frauen. Helene Stöcker setzte sich damals gemeinsam mit Lida Gustava Heymann für den Zugang zu Verhütungsmitteln ein, der von der bürgerlichen Frauenbewegung strikt abgelehnt wurde.

Clara Zetkin trat 1919 der KPD bei, welche zur zentralen Organisation der proletarischen Frauenbewegung wurde.

Zu Zeiten der Wirtschaftskrise 1929 mussten sich immer mehr Frauen aufgrund von Massenarbeitslosigkeit prostituieren. Armut, Hunger und die Angst keinen Ehemann zu finden, der sie finanziell absichern könnte veranlasste diese Frauen dazu, stümperhafte Abtreibungen durchzuführen an denen jährlich mehr als 50.000 Frauen starben. Das Volksbegehren der KPD gegen den §218 wurde größtenteils wegen der katholischen Kirche nicht weiter beachtet.

Frauenorganisationen rückten immer mehr in den Hintergrund, der Nationalsozialismus wurde von der bürgerlichen Frauenbewegung unkritisch betrachtet. Der Bund deutscher Frauen löste sich 1933 auf, es folgte der „Deutsche Frauenorden“, der die Frauenbewegung unter anderem für die Wirtschaftskrise verantwortlich machte. Er stellte eine NS-Nachfolgeorganisation dar und reduzierte das Frauenbild ausschließlich auf die Mutterschaft.[7]


[1]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[2]Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, Bonn 1993, S. 15

[3]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[4] Rosemarie Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland, Bonn 1993, S. 30ff

[5]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

[6]Helene Lange: Lebenserinnerungen. Im Beruf

[7]https://diestoerenfriedas.de/die-geschichte-der-frauenbewegung-deutschland/

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Gender Pay Gap in Deutschland


Begriffserklärung

Der Gender Pay Gap oder auch das geschlechtsspezifische Lohngefälle beschreibt den Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern anhand des Brutto-Stundenlohns. Es wird zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender Pay Gap (GPG) unterschieden.

Der unbereinigte GPG stellt die Differenz der durchschnittlich berechneten Bruttoverdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern dar. Es werden sowohl die Verdienste vollzeitbeschäftigter Personen als auch die von Auszubildenden, Praktikant*innen und geringfügig Beschäftigten berücksichtigt. Lohndeterminierende Faktoren, wie der Ausbildungsgrad, der Zugang zur Bildung, die Unternehmensgröße, die Region, die Frauen/Männerquote und dadurch entstehende Diskriminierung, etc. werden hierbei nicht berücksichtigt.

Der bereinigte GPG bezieht hingegen strukturelle Unterschiede wie die Berufswahl, den Bildungsstand, die Qualifikation, sowie die Berufserfahrung in die Berechnung des Verdienstunterschieds mit ein. Demnach ist der bereinigte GPG meist kleiner als der unbereinigte. Er wird seit 2006 alle 4 Jahre zur detaillierten und aktuellen Darstellung der Gehaltsunterschiede neu berechnet.[1]

GPG in Deutschland

Die Europäische Kommission veröffentlichte 2014 einen unbereinigten Gender Pay Gap von rund 16% in EU-Ländern. Dieser Wert ist ein Durchschnittswert, der GPG ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei Deutschland zusammen mit Österreich den höchsten GPG aufweisen. [2]

In Deutschland erschien 1993 zum ersten Mal eine empirische Studie zum GPG des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Das Statistische Bundesamt legte 2006 einen unbereinigten Gehaltsunterschied bei Geschlechtern von rund 23% fest. Davon waren zwei Drittel auf folgende strukturelle Unterscheidungsmerkmale zwischen Frauen und Männern zurückzuführen: die Berufs- bzw. Branchenwahl, die Häufigkeit von Teilzeitarbeiterinnen und die Ausbildungswahl. Der bereinigte GPG betrug rund 8%, wobei dieser Wert ein umstrittener ist. Weitere wichtige Eigenschaften wie die Diskriminierung von Frauen in verschiedenen Berufsbranchen, hätten den bereinigten GPG vermutlich noch geringer ausfallen lassen. [3]

Daraufhin untersuchte das vom WSI[4]beauftragte Hans-Böckler-Institut 2008 die Gehaltsunterschiede von Berufsanfänger*innen in den ersten zehn Berufsjahren. 2009 wurden die Ergebnisse veröffentlicht und besonders Einflussfaktoren wie unterschiedliche Ausbildungsgrade, berufliche Unterbrechung aufgrund von Kindeserziehung, diskriminierende Behandlung von Frauen im Berufsalltag, verschiedene berufliche Präferenzen oder mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten hervorgehoben. Daraus ergab sich ein unbereinigter GPG von 18,7% mit einer Berufserfahrung von bis zu 3 Jahren und 21,8% mit einer Berufserfahrung zwischen 4 und 10 Jahren.

Diese Studie berücksichtigte zudem den Unterschied zwischen neuen (16,2%) und alten (21,6%) Bundesländern in Deutschland. Geringer viel der GPG auch bei Akademiker*innen und promovierten Frauen aus.

Lohnunterschiede waren außerdem bei vollzeitbeschäftigten und teilzeitbeschäftigten Frauen und Männern zu erkennen, so der erste Gender Datenreport von 2005. Die Gehälter von Frauen waren in dieser Untersuchung bei einer Vollzeitstelle niedriger, sowohl in Berufen in Männer- als auch in Frauendomänen.[5]

2010 ergab eine Studie der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft einen unbereinigten GPG von rund 29%, was den Durchschnittswert in Deutschland damals schon erheblich überstieg.[6]Heute liegt dieser bei 24% und ist demnach immer noch höher als in anderen deutschen Bundesländern.[7]

Aktuelle Studienlage

Seit 2002 hat sich der durchschnittliche unbereinigte GPG kaum verändert. Er variierte meist zwischen 21 (2018) und 23% deutschlandweit, der bereinigte Gender Pay Gap lag zwischen 2 und 7%. Die größten Differenzen des Bruttostundenverdienstes gab es in der Studie von 2018 in freiberuflichen, technischen oder wissenschaftlichen Dienstleistungen, sowie Kunst- und Unterhaltungsprogrammen (31%). Berufe in der Bank- oder Versicherungsbranche weisen einen GPG von 28 % auf, Tätigkeiten in den Bereichen Kommunikation und Information rund 25%.

Auch Berufsfelder, die traditionell stärker von Männern vertreten sind, wie zum Beispiel Kfz-Handel, Reparaturen oder Instandhaltung von Gewerben wiesen ein relativ hoher Gender Pay Gap von 24% auf. In anderen Wirtschaftszweigen, wie unter anderem Bergbau, Abwasser- oder Abfallentsorgung und Verkehr, fiel dieser geringer aus (3-7%), wobei auch dort bis heute nur wenige Frauen vertreten sind.

Weiter Unterschiede ergaben sich in dieser Untersuchung im öffentlichen Dienst (unbereinigter GPG von 9%) und privatwirtschaftlichen Unternehmen (23%).[8]

Anmerkung zum Schluss

Der Gender Pay Gap ist ein sehr umfangreiches Thema, welches innerhalb dieses Beitrags nicht vollständig abgehandelt werden kann. Er verändert sich ständig, Studien sind schwer zu vergleichen, weil immer wieder neue Merkmale in Untersuchungen des bereinigten GPGs miteinbezogen werden, Berufsbranchen und die Frauen-/Männerquote verändern sich. Zudem wurden in diesem Artikel wichtige Aspekte wie Mutterschaft und weitere mögliche Ursachen, Diskriminierung der Geschlechter und Minderheiten, sowie Themengebiete wie die Rente nicht ausreichend berücksichtigt. 


[1]https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/FAQ/gender-pay-gap.html

[2]Margareta Kreimer: Ökonomie der Geschlechterdifferenz. Zur Persistenz von Gender Gaps, Springer

[3]https://web.archive.org/web/20121115042251/https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2010/10/PD10_384_621.html

[4]Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut

[5]https://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/genderreport/root.html

[6] Mythen und Fakten zum Gender Pay Gap. Eine Analyse für Deutschland und Bayern. Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

[7]https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/equal-pay-day-2019,RL3N9qb

[8]https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html

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Abtreibung in Deutschland


Geschichte

1871 war der §218 zum ersten Mal im Strafgesetzbuch (StGB) in Deutschland vermerkt. Abtreibung wurde in dieser Zeit ohne jegliche Ausnahmen bestraft. Frauen drohte damals eine Strafe, die zwischen 6 Monaten Gefängnis und 5 Jahren im Zuchthaus variierte.

1927 nahm die Justiz zwar eine Abtreibung aus medizinischen Gründen von der Strafe aus und die Zuchthausstrafe wurde abgesetzt, jedoch gab es erstmals teils schockierende Sonderregelungen.[1]Für deutsche Frauen galt die eben genannte Regelung, der schwangere Körper der Frau sollte so vom NS Regime kontrolliert werden.[2]Der Zugang zu Verhütungsmitteln wurde deutschen Frauen erschwert. Jüdische Frauen durften ohne angegebene Gründe abtreiben.

Ab 1943 galt für eine Abtreibung, die „die Lebenskraft des deutschen Volkes fortgesetzt beeinträchtigt“ die Todesstrafe. Die Zuchthausstrafe wurde wieder eingeführt.

1950 erließ man in der DDR das Gesetz über den Mutter- und Kindschutz und die Rechte der Frau, das nach 1965 einen Schwangerschaftsabbruch neben medizinischen und embryopathischen Fällen, sowie Ausnahmefällen auch soziale Indikationen erlaubte.

Mit der 68er Bewegung und der Einführung der Anti-Baby-Pille begann Anfang der 70er Jahre eine große Debatte gegen den §218. Zum ersten Mal wurde in den darauffolgenden Jahren eine „Fristenregelung“ eingeführt.

Gesetzeslage heute

Der §218 des Strafgesetzbuches (StGB) belegt, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland rechtswidrig sind. Unter den in §218a beschriebenen Umständen dürfen Schwangere straffrei abtreiben. Dazu zählen folgende Ausnahmen:

  • Die Abtreibung erfolgt innerhalb der ersten 12 Wochen. Die betroffene Frau hat sich zudem mindestens 3 Tage vor dem Schwangerschaftsabbruch bei einer staatlich anerkannten Stelle von einem Arzt/einer Ärztin beraten lassen und kann dies nachweisen.
  • Durch eine kriminologische Indikation, wie beispielsweise Vergewaltigung, kam eine Schwangerschaft zustande.
  • Sollte die Schwangere aus medizinischen Gründen gefährdet sein, kann durch Absprache mit dem zuständigen Arzt/der zuständigen Ärztin ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 22. Woche vollzogen werden, ohne, dass sich Betroffene oder Mediziner*innen strafbar machen.[3]

§218b und c erläutern die Folgen der Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches, welcher nicht von einem dafür berechtigten Arzt/einer dafür berechtigten Ärztin genehmigt wurde, sowohl für Betroffene als auch für Mediziner*innen.

Ein Weigerungsrecht erlaubt es zuständigen Ärzt*innen, Anästhesit*innen, Krankenpfleger*innen und weiteren in der Ausführung des Schwangerschaftsabbruchs involvierten Personen, sich nicht für die Mitwirkung an einer Abtreibung beteiligen zu müssen.

Kostenübernahme

In Deutschland werden Schwangerschaftsabbrüche prinzipiell nicht von der Krankenkasse übernommen, es sei denn, es liegt eine medizinische oder kriminologische Indikation vor.

Somit müssen die betroffenen Frauen eine Abtreibung in den meisten Fällen selbst bezahlen. Die Kosten variieren in den ersten drei Monaten zwischen 300 und 600 €.

Aktuelle Statistik

Die Anzahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist im letzten Jahr (2017-2018) gesunken. 2018 wurden 100.986 Abtreibungen notiert, 98,2% der betroffenen Frauen können auch ein ärztliches Beratungsgespräch nachweisen.[4]

Anmerkung zum Schluss

Eigenes Unwissen und Berichte über die deutsche Gynäkologin Kristina Hänel haben mich dazu bewegt, mehr über dieses Thema zu recherchieren. Kristina Hänel informierte auf ihrer Website über den Abtreibungsprozess in ihrer Praxis und verstieß somit gegen den §219a des StGBs (Werbeverbot für Abtreibung), sollte daraufhin eine Geldstrafe bezahlen, aber kämpft nun für die Legalisierung der öffentlichen Information über den Verlauf und die Nebenwirkungen von Schwangerschaftsabbrüchen.

Auch dieser Beitrag deckt nur einen Teilbereich eines großen Themas ab.


[1]http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/201776/1975-streit-um-straffreie-abtreibung

[2]http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=dra&datum=1943&page=160&size=45

[3]https://www.bento.de/politik/abtreibung-in-deutschland-die-wichtigsten-fakten-a-00000000-0003-0001-0000-000002580215

[4]https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Schwangerschaftsabbrueche/Tabellen/alter.html

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Diskretion und Sicherheit – Menstruation heute


Auch heute begleitet Frauen noch ein beschämendes Gefühl beim Thema Menstruation. Vieles davon verdanken wir der Werbung, die meist von „Hygieneartikeln“ spricht und Blut in der Farbe Blau darstellt, aber auch der mangelnden Aufklärung und der Tabuisierung in der eigenen Familie und der Schule/am Arbeitsplatz.

Wie sich der versteckte und schambehaftete Umgang mit der Menstruation entwickelt hat, wurde bereits in meinem ersten Artikel dazu erklärt, indem besonders auf die Kulturgeschichte, religiöse Hintergründe und die Mythen, die sich teilweise bis heute noch erhalten, eingegangen wurde.

Werbung

Die meisten Tampon/Binden-Werbungen zeigen glückliche, energiebeladene Frauen, die in einer weißen Hose durch den Raum hüpfen und von 100%igem Schutz sprechen. Schutz wovor? Als wäre der Blutfluss etwas, das wir per se kontrollieren könnten.

So oft wird von Sicherheit gesprochen, von guter Laune. Bilder von Frauen mit reiner Haut, die sich in engen Jeans wohlfühlen – wenig ist so fern der Realität wie das, in den meisten Fällen. Alle Menschen mit einem weiblichen Geschlechtsorgan können es bestätigen, die Schmerzen sind teilweise kaum auszuhalten.

In Werbespots wird uns also unterschwellig suggeriert, dass wir mit Binden und Tampons sauber und geschützt sind, ohne nicht. Sie unterstützen die Annahme, die Periode sei ekelhaft, unhygienisch und peinlich. 

Aufklärung

Die Verschwiegenheit der Periode beginnt meist jedoch im eigenen Haushalt. Müttern fällt es schwer mit ihren Töchtern offen darüber zu sprechen, vor Vätern und Männern im Allgemeinen wird das Thema ohnehin verschwiegen und, wenn junge Mädchen zum ersten Mal die Regelblutung bekommen, werden sie bemitleidet. So zumindest im europäischen Raum.

Auch in der Schule wird wenig darüber gesprochen und wenn, dann meist erst in der 10. Klasse im Zuge des Aufklärungsunterrichts (was definitiv auch sehr viel zu spät ist) und selbst dann ist es nach wie vor hauptsächlich „Frauensache“. Am Arbeitsplatz werden Tampons, die in schönen kleinen Dosen verpackt sind, ähnlich wie beim Drogendealen, nur still und heimlich unter dem Tisch weitergereicht und mit einem unangenehm berührten Gesichtsausdruck entgegengenommen.

Menstruationsrituale

In anderen Kulturen wird ein Fest für die Menarche, das erste Auftreten der Regelblutung, veranstaltet. Japanische Mädchen werden von ihrer Familie beschenkt und beglückwünscht. Ein besonderes Reisgericht, welches nur an Festtagen auf den Tisch kommt, ist ein Zeichen für Freude und Fruchtbarkeit und wird an diesem Tag angerichtet – die Menstruation war dort lange Zeit ein heiliges Zeichen, keine Verdammung.

Auch in Neuguinea, bei nordamerikanischen Indianer*innen und bei Yurok-Indianer*innen wird die erste Regelblutung gefeiert.[1]

Anmerkung zum Schluss

Ein etwas anderer Beitrag, weil das Thema sehr bewegend ist und es dazu leider wenig Fachliteratur gibt. Dennoch interessant, wenn man mal seine Einstellung zur Menstruation hinterfragt und sie in der eigenen Familie offen anspricht. 


[1]Ausserer, Caroline (2003): Menstruation und weibliche Initiationsriten, Frankfurt/Main

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Die Tabuisierung der Menstruation


Warum ist alles rund um die monatliche Regelblutung so schambehaftet? Welche Mythen haben dazu geführt, dass es der Gesellschaft schwer fällt, offen darüber zu sprechen? Hier ein kleiner Einblick in die Geschichte und die daraus entstehende Tabuisierung der Menstruation. 

Worin unterscheidet sich eigentlich Nasenblut und das Blut menstruierender Frauen? Was die meisten bezeugen würden ist, dass Nasenbluten gesellschaftlich toleriert wird, öffentlich zu menstruieren nicht. Das eine ist meist ein Zeichen einer körperlichen oder mentalen Dysfunktion, das andere steht für die Gesundheit einer Frau und eine natürliche Funktion des Körpers.

Blut an sich wird meist mit Kampfgeist und Stärke in Verbindung gebracht – warum dann nicht auch die Regelblutung?

Kulturgeschichte

In der Antike galt die Menstruation als Reinigungsprozess, da Frauen zu viele Nährstoffe oder Blut in ihrem Körper hätten, die ausgeschieden werden müssten. Dadurch, dass damals fast ausschließlich Männer wissenschaftlich forschten, wurde die Frau teilweise als unvollständiger Mann angesehen.[1]Aristoteles, Pythagoras und Hippokrates werteten die Regelblutung als etwas Unvollständiges, Unreines ab.[2]

Hildegard von Bingen beschrieb die monatliche Blutung im Mittelalter als eine Folge des Sündenfalls. In der Renaissance wurde sie zum ersten Mal auf ihre Giftigkeit untersucht. Erst 1958 gab es die ersten Studien, die diese Annahme widerlegten.

Im 17. Und 18. Jahrhundert, in der Zeit der Aufklärung, wurden der Frau Natur, Aberglaube, Tradition und Körperlichkeit zugeordnet, dem Mann hingegen Kultur, Wissenschaft, Fortschritt und abstraktes Denken.[3]

Im Laufe des 19. Jahrhunderts, mit der Verbreitung des Sozialdarwinismus, rückte der weiße Mann an die Spitze der menschlichen Hierarchie. Die Evolutionstheorie war ausschlagend dafür, dass die Frau mehr als je zu vor als ein anderes Wesen angesehen wurde. Außerdem kam es zur Degradierung der Menstruation auf einen Leidenszustand und ein notwendiges Übel . Ärzte (bewusst nicht gegendert) vermuteten, dass es sich bei der Monatsblutung um eine nicht ausgelebte Schwangerschaft handelte.[4]

Bis ins 20. Jahrhundert wurde der weiblichen Periode nachgesagt, sie würde zum (Lebensmittel-) Verderben beitragen und sie sei deshalb giftig. Der Wiener Arzt Béla Schick beobachtete einst, dass die Blumen, die seine Haushälterin in eine Vase gestellt hatte, schnell verwelkten. Er erfuhr, dass sie zu dieser Zeit die Menstruation hatte und schloss demnach daraus, dass ihr Blut das Menstruationsgift Menotoxin enthalten würde. Es wurde also angenommen, dass Menstruationsblut toxisch sei – und das wirkt bis heute noch nach.

Judentum und Christentum

Im Juden- und Christentum galt die Menstruation meist als eine Unreinheit. Jüdische Frauen waren demnach 7-14 Tage im Monat unrein, so im 3. Buch Mose, Kapitel 15, beschrieben. Schlief ein Mann in diesen Tagen mit einer Frau, wurde auch er mit Unreinheit bestraft. Übertrat ein Paar bewusst dieses Gesetz, mussten sie vom Volk ausgestoßen werden und sterben. Frauen schloss man in dieser Zeit auch von allen rituellen Handlungen aus, sie durften dem Rabbi nicht mehr die Hand reichen und mussten sich nach jeder Monatsblutung einer Reinigung unterziehen, damit sie Synagoge und Tempel wieder besuchen durften. 

Im Christentum stand körperliche Förmlichkeit zunächst an erster Stelle, bis man sich, vermutlich auch durch den Einfluss des Judentums, dazu entschloss, Frauen einen gesellschaftlichen, stark untergeordneten Stellenwert zu geben. Ihnen hat man alle höher gestellten kirchlichen Dienstleistungen verboten, da sie während der Zeit der Menstruation als unrein und somit ungeeignet für gehobene Positionen am Altar angesehen wurden.[5]Im Mittelalter bekam Sexualität im Allgemeinen, und somit auch die Periode der Frau, immer mehr den Charakter einer Sünde. Mönche sahen darin unter anderem eine Strafe Gottes für den Sündenfall von Eva. Die Mutter Gottes wurde davon ausgenommen – Theologen erklärten sich diese Theorie damit, dass sie nie menstruiert habe.[6]

Aber- und Volksglaube

Bis heute erhält sich der Mythos, dass das Menstruationsblut eine schädliche Wirkung auf äußere Faktoren, Lebendes und Materielles hat.

Die Frau wurde immer mehr in Verbundenheit mit der Erde gebracht. Sie waren beide verletzlich und gefährlich. Die Menstruation assoziierte man mit den Mondphasen. 

Jede Berührung einer menstruierenden Frau würde Wein und Most sauer machen, Bier umschlagen, Pflanzen verdorren und Milch gerinnen lassen. Die Hexenjagd leitete sich genau aus diesen (und noch vielen anderen) abergläubischen Annahmen ab.

Anmerkung zum Schluss

Das Thema der Tabuisierung der Menstruation ist sehr umfassend. In dem Artikel wurden lange nicht alle religiösen und kulturellen Hintergründe und Mythen berücksichtigt. Er soll lediglich einen Einblick in die Materie geben und der Enttabuisierung der Menstruation dienen, indem er die Mythen und geschichtliche Ereignisse anführt und hinterfragt. In einem weiteren Artikel werde ich näher auf den heutigen kapitalistischen und nach wie vor gesellschaftlich unkomfortablen Umgang mit der Menstruation eingehen. 


[1]Caroline Ausserer: Menstruation und weibliche Initiationsriten. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2003

[2]Judith Schlehe: Das Blut der fremden Frauen. Campus, Frankfurt am Main / New York 1987

[3]Caroline Ausserer: Menstruation und weibliche Initiationsriten. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2003

[4]Judith Schlehe: Das Blut der fremden Frauen. Campus, Frankfurt am Main / New York 1987

[5]Judith Schlehe: Das Blut der fremden Frauen. Campus, Frankfurt am Main / New York 1987

[6]Caroline Ausserer: Menstruation und weibliche Initiationsriten. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2003

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Lange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz


Therapieformen in Deutschland

Die am 02. April 2017 veröffentlichten Psychotherapie-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollten unter anderem einer Verkürzung der langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin in Deutschland dienen. Die Reform sieht daher vor, zunächst eine Sprechstunde zur „Ersteinschätzung“ zu vereinbaren, welche über weitere Therapieeinheiten und deren Intensität entscheiden soll. Die Kurzzeittherapie dient hierbei als mögliche therapeutische Akutbehandlung mit maximal 12 Therapieeinheiten im Jahr, darauffolgend kann eine Langzeittherapie beantragt werden. Diese erfordert weitere Formalitäten, wie zum Beispiel ein körperliches Gutachten des Hausarztes/der Hausärztin. [1]

Das Bundesministerium für deutsche Gesundheit erfasste zwei Jahre nach Veröffentlichung der neuen Psychotherapie Richtlinien eine durchschnittliche Wartezeit von 20 Wochen auf einen Termin in einer Psychotherapie-Praxis. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte seit einiger Zeit demnach eine bessere Zusammenarbeit von Hausärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Suchtberatungsstellen und Familiendiensten anstreben.[2]

Studienlage

Die Bundes-Psychotherapeuten-Kammer (BPtK) und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersuchten in einer Online Befragung die entstehenden Wartezeiten deutschlandweit ein Jahr nach der Einführung der Psychotherapie-Richtlinien, zwischen 6. November und 10. Dezember 2017. 9.423 Psychotherapeut*innen nahmen an dieser Befragung teil, der Altersdurchschnitt lag bei 53,4 (+-10,2) Jahren.[3]Die Studie ergab eine durchschnittliche Wartezeit von 5,7 Wochen auf eine Sprechstunde und eine darauffolgende Wartezeit von 3,7 Wochen auf den Beginn einer Akutbehandlung. Eine Richtlinienpsychotherapie, wie sie vom Gemeinsamen Bundesauschuss 2017 beschlossen wurde, beansprucht in Deutschland im Schnitt eine 19,9 Wochen-lange Wartezeit. Daraus schließend wurde festgestellt, dass die Wartezeiten noch erheblich zu lange sind und deutliche Unterschiede in der Anzahl und Verfügbarkeit der Psychotherapeut*innen in Großstädten und ländlichen Regionen, sowie in Großstädten des Ruhrgebiets bestehen. Um Wartezeiten zu verkürzen, wären rund 7.000 neue Praxissitze erforderlich. Terminservicestellen dienen zusätzlich als mögliche Anlaufstellen bei zu langen Wartezeiten, sodass Sprechstunden über Dritte schneller beantragt werden können. Seit 2018 sind diese Terminservicestellen auch für kassenärztliche Vereinigungen dringender Richtlinien Psychotherapie verantwortlich.[4]

Bezogen auf die Versorgungsumverteilung auf Stadt und Land, stellt die Bedarfsplanung zudem falsche Annahmen dar. Derzeit werden 36 Psychotherapeut*innen pro 100.000 Einwohner*innen in deutschen Großstädten und zwischen 12 und 18 Psychotherapeut*innen pro 100.000 Einwohner*innen in ländlichen Regionen gezählt.[5]

Laut Studien des Robert-Koch-Institutes unterscheidet sich die Häufigkeit der psychisch erkrankten Personen in Großstädten jedoch kaum von der in ländlichen Regionen.[6]

Die Bundes-Psychotherapeuten-Kammer Deutschland fordert aufgrund der oben genannten Fakten eine weitere Überarbeitung der Psychotherapie Richtlinie des G-BAs.[7]

Anmerkung zum Schluss

Zu lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz können zu einer vorläufigen Chronifizierung einer psychischen Erkrankung führen. Die vorliegenden Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die Wartezeiten bei Psychotherapeut*innen mit kassenärztlichen Verträgen in Deutschland. Privatpatient*innen und Selbstzahler*innen können durchschnittlich mit kürzeren Wartezeiten rechnen.


[1]Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2018

[2]Bundesministerium für deutsche Gesundheit, 2019

[3]Bundes-Psychotherapeuten-Kammer (BPtK), 2018, S.37

[4]BPtK, 2018, S.3

[5]BPtK, 2018, S.20

[6]Wittchen & Jacobi, 2001; Jacobi et al., 2014

[7]BPtK, 2018, S.30