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Mobbing am Arbeitsplatz


Begriffserklärung

Mobbing unterscheidet sich von anderen Konflikten, indem es durch ein wiederholtes und regelmäßiges Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Art von Gruppe gekennzeichnet ist.[1]Ziel ist es, eine Person zu isolieren, zu schwächen oder auszugrenzen.

Mobbing am Arbeitsplatz kann auf unterschiedlichen Hierarchieebenen stattfinden: werden Arbeitnehmer*innen von ihren Vorgesetzten gemobbt, spricht man von „Bossing“, mobben hingegen Beschäftigte ihre Arbeitgeber*innen, ist die Rede von „Staffing“. Neben diesen beiden Begriffen existiert zudem das horizontale Mobbing, welches bedeutet, dass Personen von hierarchisch gleichgestellten Kolleg*innen gemobbt werden.

Ursachen

Betriebshierarchien, mangelnde Arbeitsgestaltung- oder organisation, unklare Kompetenzverteilung, Unter- oder Überforderung der Arbeitnehmer*innen, wirtschaftliche Probleme eines Unternehmens, aber auch Konkurrenzdruck, Neid von Kolleg*innen und auch eine schwache Führung schaffen ungünstige Rahmenbedingungen, welche ein Arbeitsklima hervorrufen, das Mobbinghandlungen begünstigt.[2]

Forschung

Heinz Leymann stellte in einer Interviewstudie (n=300) eine Anzahl von 45 verschieden Mobbinghandlungen fest.[3]Beispiele dafür können Straining, soziale Isolierung, verbale Gewalt oder Angriffe auf die Person und ihre Privatsphäre, sowie körperliche Übergriffe und Gerüchte sein. Gemessen wurden diese Studien anhand unterschiedlicher Fragebögen.[4]

In Deutschland liegt die momentane Zahl der von Mobbing betroffenen Menschen bei rund 1.000.000 Erwerbstätigen. Die meisten davon sind Personen, welche von ihren Kolleg*innen gemobbt werden, gefolgt von Vorgesetzten, die unter Mobbing leiden.

Folgen

Sowohl die berufliche, als auch die private Situation der Betroffenen kann durch Mobbinghandlungen gefährdet sein. Verunsicherung, Demotivation, sozialer Rückzug, Nervosität, Angstzustände und Konzentrationsschwäche können mögliche negative Auswirkungen im Beruf sein.

Im Privatleben kämpfen diese Personen häufig mit Selbstzweifel/Selbsthass, teilweise mit finanziellen Problemen und Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, sowie nicht selten mit Depressionen. Einzelfälle führen zu suizidalen Gedanken und folglich deren Ausführung.

Neben psychischen Einschränkungen steigt das allgemeine Erkrankungspotential. 43,9% der Betroffenen melden sich krank, die Hälfte davon länger als sechs Wochen.[5]

Prävention und Intervention

Für Mobbingopfer ist oft die eigene Kündigung der einzige Ausweg. Arbeitgeber*innen tragen jedoch eine gewisse Verantwortung für ihre Angestellten. Arbeitsplätze sind so zu gestalten, dass die Gesundheit und das Leben, sowie die Integrität und Würde der Arbeitnehmer*innen geschützt wird.[6]

Wenn diese Faktoren jedoch durch Mobbinghandlungen gefährdet werden, sollten Gespräche mit Dritten, wie Mediator*innen oder Coaches, schnellstmöglich stattfinden.

Anmerkung zum Schluss

Mobbing muss nicht immer verbal oder körperlich sein. Blicke und Gelächter reichen oft aus, um ein Unwohlsein in einer Person hervorzurufen. Jemand zu mobben ist mitunter ein Ausdruck der eigenen Verunsicherung oder Verletzung. Diesem Gefühl nachzugehen, es sich vor Augen zu halten und gezielt auf die Menschen zuzugehen, die in diesem Geschehen involviert waren/sind und ein klärendes Gespräch einzufordern, könnte Mobbingsituationen deren Folgen verhindern.


[1]Ursula Kraif (Red.): Duden. Das Fremdwörterbuch. 9. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2007, S.667

[2]https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitsklima/Mobbing.html

[3] Heinz Leymann: Handanleitung für den LIPT-Fragebogen. Leymann Inventory of Psychological Terror. Dgtv, Tübingen 1996

[4]Dieter Zapf. Mobbing – eine extreme Form sozialer Belastung in Organisationen. In: Psychologie der Arbeitssicherheit

[5]Bärbel Meschkutat, Martina Stackelbeck, Georg Langenhoff: Der Mobbing-Report – Repräsentativstudie für die Bundesrepublik Deutschland (PDF; 614 KB). Wirtschaftsverlag NW, Dortmund 2002

[6]https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/Arbeitsklima/Mobbing.html

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Gewalt gegen Frauen in Deutschland


Vielleicht ein Extrem, mit dem ich die Umstrukturierung dieser Website starte, aber mitunter ein Thema das so unfassbar grausam ist und zur selben Zeit nicht oft genug angesprochen werden kann. Inspiriert durch unseren Femember – Adventskalender beschreibt dieser Beitrag nochmal ausführlicher die aktuelle Situation bezüglich Gewalt gegen Frauen in Deutschland.

Gewalt gegen Frauen beinhaltet natürlich mehrere Formen und kann nicht als eine einzige Kategorie abgetan werden. Ich möchte die Notwendigkeit dessen hervorheben, genau solche Themen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Vorab: da sich die Tätergruppe hier hauptsächlich auf Männer oder Menschen, die sich als männlich lesen konzentriert, habe ich mich in diesem Beitrag ausnahmsweise gegen eine gendergerechte Schreibweise entschieden. Ich möchte damit jedoch nicht ausschließen, dass ebenso Gewalt an Männern, unter anderem auch durch Frauen, ausgeübt wird. 

Kategorisierung

Unterschieden werden folgende Formen der Gewalt: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt (mitunter (versuchte) Vergewaltigung), Mitgiftmorde, Ehrenmord, Zwangsheirat, Gewalt bei der Geburt, Femizid, Stalking, Mobbing, Menschenhandel oder Zwangsprostitution, weibliche Genitalverstümmelung, Säureattentate, Steinigung, sowie die Diskriminierung von Witwen. Gewalt gegen Mädchen wird nochmal eigens kategorisiert. [1]

Fakten

2015 wurden über 100.000 Frauen Opfer von Gewalt innerhalb einer Partnerschaft in Deutschland. Das Bundeskriminalamt in Deutschland (BKA) erfasste davon 335 Fälle mit vollendetem oder versuchtem Mord durch den Partner oder den ehemaligen Partner.[2]

2004 erschien die erste Prävalenzstudie zu Gewalterfahrungen in Deutschland lebender Frauen. Für diese Studie wurden 10.000 Frauen im Alter von 16-85 Jahren zu ihren Erfahrungen mit Gewalt befragt. „Mindestens jede vierte in Deutschland lebende Frau hat schon einmal körperliche oder sexuelle Gewalt durch einen Beziehungspartner erlebt“, sagen Ursula Müller und Monika Schröttle in ihrer Studie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Überwiegend wurden diese Gewalttaten in häuslichen Bereichen ausgeführt. Über die Hälfte der Betroffenen erlitt körperliche Verletzungen, ein Drittel musste medizinisch versorgt werden. Nicht selten waren Kinder in Gewaltszenarien involviert.

Zudem wurde festgestellt, dass besonders Frauen in Scheidungs- oder Trennungssituationen gefährdet sind.

Unterdrückung und weitere Formen der psychischen Gewalt

Betroffene Frauen erleiden folglich meist physische und/oder psychische Beeinträchtigungen. Dabei muss die Gewaltausübung keine körperliche Verletzung beinhalten. Häufig sind Einschüchterungen, Drohungen oder anzügliche Sprüche, Witze oder Beleidigungen in frauenfeindlicher Sprache ausreichend dafür, dass sich Frauen unter Druck gesetzt fühlen.

Oben beschriebene Gewaltszenarien kommen in verschiedenen sozialen Schichten vor und sind nicht von unterschiedlichen Bildungsgraden oder kulturellen Hintergründen geprägt. 

Anmerkung zum Schluss

Jede Frau kann Betroffene von Gewalt sein. Bereits die Tatsache, dass sich Frauen dazu gezwungen fühlen, aus Angst die Straßenseite zu wechseln, ist eine Form der Gewalt. Abschätzig über Frauen zu sprechen oder sie zu objektifizieren, kann zu Unsicherheit und nicht selten zu Depressionen führen. Übergriffigkeit ist nicht zu verharmlosen.

Hilfe

wird teilweise angeboten, jedoch nicht ausreichend verbreitet. Anbei die Telefonnummer der Organisation Hilfetelefon, welche Betroffenen in Deutschland als Unterstützung dienen soll: +49 8000116016

Nehmt es ernst.


[1]https://www.frauenrechte.de/index.php/themen-und-aktionen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/262-lieber-ohne-gewalt/1207

[2]BKA: Partnerschaftsgewalt – Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2017, S. 28