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Lange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz


Therapieformen in Deutschland

Die am 02. April 2017 veröffentlichten Psychotherapie-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) sollten unter anderem einer Verkürzung der langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz bei einem Psychotherapeuten/einer Psychotherapeutin in Deutschland dienen. Die Reform sieht daher vor, zunächst eine Sprechstunde zur „Ersteinschätzung“ zu vereinbaren, welche über weitere Therapieeinheiten und deren Intensität entscheiden soll. Die Kurzzeittherapie dient hierbei als mögliche therapeutische Akutbehandlung mit maximal 12 Therapieeinheiten im Jahr, darauffolgend kann eine Langzeittherapie beantragt werden. Diese erfordert weitere Formalitäten, wie zum Beispiel ein körperliches Gutachten des Hausarztes/der Hausärztin. [1]

Das Bundesministerium für deutsche Gesundheit erfasste zwei Jahre nach Veröffentlichung der neuen Psychotherapie Richtlinien eine durchschnittliche Wartezeit von 20 Wochen auf einen Termin in einer Psychotherapie-Praxis. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte seit einiger Zeit demnach eine bessere Zusammenarbeit von Hausärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Suchtberatungsstellen und Familiendiensten anstreben.[2]

Studienlage

Die Bundes-Psychotherapeuten-Kammer (BPtK) und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersuchten in einer Online Befragung die entstehenden Wartezeiten deutschlandweit ein Jahr nach der Einführung der Psychotherapie-Richtlinien, zwischen 6. November und 10. Dezember 2017. 9.423 Psychotherapeut*innen nahmen an dieser Befragung teil, der Altersdurchschnitt lag bei 53,4 (+-10,2) Jahren.[3]Die Studie ergab eine durchschnittliche Wartezeit von 5,7 Wochen auf eine Sprechstunde und eine darauffolgende Wartezeit von 3,7 Wochen auf den Beginn einer Akutbehandlung. Eine Richtlinienpsychotherapie, wie sie vom Gemeinsamen Bundesauschuss 2017 beschlossen wurde, beansprucht in Deutschland im Schnitt eine 19,9 Wochen-lange Wartezeit. Daraus schließend wurde festgestellt, dass die Wartezeiten noch erheblich zu lange sind und deutliche Unterschiede in der Anzahl und Verfügbarkeit der Psychotherapeut*innen in Großstädten und ländlichen Regionen, sowie in Großstädten des Ruhrgebiets bestehen. Um Wartezeiten zu verkürzen, wären rund 7.000 neue Praxissitze erforderlich. Terminservicestellen dienen zusätzlich als mögliche Anlaufstellen bei zu langen Wartezeiten, sodass Sprechstunden über Dritte schneller beantragt werden können. Seit 2018 sind diese Terminservicestellen auch für kassenärztliche Vereinigungen dringender Richtlinien Psychotherapie verantwortlich.[4]

Bezogen auf die Versorgungsumverteilung auf Stadt und Land, stellt die Bedarfsplanung zudem falsche Annahmen dar. Derzeit werden 36 Psychotherapeut*innen pro 100.000 Einwohner*innen in deutschen Großstädten und zwischen 12 und 18 Psychotherapeut*innen pro 100.000 Einwohner*innen in ländlichen Regionen gezählt.[5]

Laut Studien des Robert-Koch-Institutes unterscheidet sich die Häufigkeit der psychisch erkrankten Personen in Großstädten jedoch kaum von der in ländlichen Regionen.[6]

Die Bundes-Psychotherapeuten-Kammer Deutschland fordert aufgrund der oben genannten Fakten eine weitere Überarbeitung der Psychotherapie Richtlinie des G-BAs.[7]

Anmerkung zum Schluss

Zu lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz können zu einer vorläufigen Chronifizierung einer psychischen Erkrankung führen. Die vorliegenden Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die Wartezeiten bei Psychotherapeut*innen mit kassenärztlichen Verträgen in Deutschland. Privatpatient*innen und Selbstzahler*innen können durchschnittlich mit kürzeren Wartezeiten rechnen.


[1]Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), 2018

[2]Bundesministerium für deutsche Gesundheit, 2019

[3]Bundes-Psychotherapeuten-Kammer (BPtK), 2018, S.37

[4]BPtK, 2018, S.3

[5]BPtK, 2018, S.20

[6]Wittchen & Jacobi, 2001; Jacobi et al., 2014

[7]BPtK, 2018, S.30

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Ernährung und Umwelt: der Konsum tierischer Produkte


Die durch die Ernährung verursachten CO2 Emissionen betragen in Deutschland derzeit 1,42 Tonnen pro Person. Sie entstehen meist bei der Produktion, dem Transport und der Lagerung von Lebensmitteln. Die Verarbeitung und das Kochen sind als Aktivitäten des Verbrauchers/der Verbraucherin eingerechnet, da diese schon beim Stromverbrauch und Verkehr einbezogen werden.[1]

Fleischkonsum & Milchproduktion

Die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO bestätigt, dass 14,5% aller weltweiten Treihausgasemissionen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren stammen. Damit übersteigt dieser Anteil den, des weltweiten Verkehrs.[2]Diese Hochrechnung erfasste einen Pro-Kopf-Fleischverbrauch von 43,2kg pro Jahr. 

In Deutschland liegt der bei 85,9 kg. Die landwirtschaftliche Nutzfläche für die Fleischproduktion nimmt dort ca. 19. Mio ha ein, was etwa 2.300m^2 pro Person entspricht.

Der Pro-Kopf-Konsum ist stark vom Einkommen einer Person bzw. den wirtschaftlichen Gegebenheiten abhängig, was wiederum durch eine Studie 2013 bestätigt wurde, die einen durchschnittlichen Fleischverzehr von 116,2 kg pro Kopf in Australien aufwies.

Die größten Umweltfolgen der Fleischproduktion bewirken mitunter:

  • der hohe Flächenverbrauch und die damit verbundene Zerstörung natürlicher Lebensräume, wie tropischer Regenwälder, vor allem für den Anbau von Futtermitteln
  • der hohe Wasserverbrauch und die Wasserverschmutzung
  • die Emissionen von Treibhausgasen wie CO2, Methan oder Lachgas

Der mit Abstand größte Ausstoß von Treibhausgasen wird durch die Viehhaltung von Rindern produziert. Schweinefleisch und Geflügel erzeugen hingegen nur ein Drittel davon.

Die CO2-Emissionen, die durch die Butterherstellung produziert werden, übertreffen teilweise die der Fleischproduktion: um ein Kilogramm Butter herzustellen, werden laut dem Sachverständigenrat für Umweltfragen der Bundesregierung bei konventioneller Tierhaltung bis zu 24 Kilogramm CO2-Äquivalente ausgestoßen (die CO2 Äquivalente bestimmt die ausgestoßene Menge an Treibhausgasen umgerechnet auf CO2). Dies setzt sich zusammen aus der großen Menge an Milch, die für die für die Herstellung benötigt wird. Dafür müssen dementsprechend viele Kühe gehalten und versorgt werden. Zudem stoßen die Tiere an sich noch jede Menge Methangas aus.[3]

Die Produktion von Milch und Joghurt verbraucht um einiges weniger davon, wobei dabei wiederum zwischen regionalen und globalen Produkten unterschieden werden muss.

Anmerkung zum Schluss

Insgesamt gilt: je weniger Konsum tierischer Produkte, desto besser. Tierische Proteine sind im Durchschnitt für ca. die Hälfte aller ernährungsbedingten Umweltlasten verantwortlich.  Eine vegetarische Ernährung ist für das Klima rund dreimal weniger belastend, als eine fleischlastige Ernährung.[4]Biologische Produkte sollten außerdem, sofern die finanziellen Mittel vorliegen, immer bevorzugt werden.

Das Thema ist sehr umfassend und dieser Beitrag berücksichtigt lange nicht alle wichtigen Informationen dazu. Er soll dementsprechend einen Überblick verschaffen. 


[1]https://www.klimabuendnis-koeln.de/ernaehrung

[2]http://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf

[3]https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/hintergrund/CO2-Bilanz-auf-dem-Teller-Diese-Lebensmittel-sind-die-groessten-Klimakiller,article-swr-5774.html

[4]https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/fleisch-und-milchprodukte