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Gender Pay Gap in Deutschland


Begriffserklärung

Der Gender Pay Gap oder auch das geschlechtsspezifische Lohngefälle beschreibt den Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern anhand des Brutto-Stundenlohns. Es wird zwischen dem bereinigten und dem unbereinigten Gender Pay Gap (GPG) unterschieden.

Der unbereinigte GPG stellt die Differenz der durchschnittlich berechneten Bruttoverdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern dar. Es werden sowohl die Verdienste vollzeitbeschäftigter Personen als auch die von Auszubildenden, Praktikant*innen und geringfügig Beschäftigten berücksichtigt. Lohndeterminierende Faktoren, wie der Ausbildungsgrad, der Zugang zur Bildung, die Unternehmensgröße, die Region, die Frauen/Männerquote und dadurch entstehende Diskriminierung, etc. werden hierbei nicht berücksichtigt.

Der bereinigte GPG bezieht hingegen strukturelle Unterschiede wie die Berufswahl, den Bildungsstand, die Qualifikation, sowie die Berufserfahrung in die Berechnung des Verdienstunterschieds mit ein. Demnach ist der bereinigte GPG meist kleiner als der unbereinigte. Er wird seit 2006 alle 4 Jahre zur detaillierten und aktuellen Darstellung der Gehaltsunterschiede neu berechnet.[1]

GPG in Deutschland

Die Europäische Kommission veröffentlichte 2014 einen unbereinigten Gender Pay Gap von rund 16% in EU-Ländern. Dieser Wert ist ein Durchschnittswert, der GPG ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt, wobei Deutschland zusammen mit Österreich den höchsten GPG aufweisen. [2]

In Deutschland erschien 1993 zum ersten Mal eine empirische Studie zum GPG des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Das Statistische Bundesamt legte 2006 einen unbereinigten Gehaltsunterschied bei Geschlechtern von rund 23% fest. Davon waren zwei Drittel auf folgende strukturelle Unterscheidungsmerkmale zwischen Frauen und Männern zurückzuführen: die Berufs- bzw. Branchenwahl, die Häufigkeit von Teilzeitarbeiterinnen und die Ausbildungswahl. Der bereinigte GPG betrug rund 8%, wobei dieser Wert ein umstrittener ist. Weitere wichtige Eigenschaften wie die Diskriminierung von Frauen in verschiedenen Berufsbranchen, hätten den bereinigten GPG vermutlich noch geringer ausfallen lassen. [3]

Daraufhin untersuchte das vom WSI[4]beauftragte Hans-Böckler-Institut 2008 die Gehaltsunterschiede von Berufsanfänger*innen in den ersten zehn Berufsjahren. 2009 wurden die Ergebnisse veröffentlicht und besonders Einflussfaktoren wie unterschiedliche Ausbildungsgrade, berufliche Unterbrechung aufgrund von Kindeserziehung, diskriminierende Behandlung von Frauen im Berufsalltag, verschiedene berufliche Präferenzen oder mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten hervorgehoben. Daraus ergab sich ein unbereinigter GPG von 18,7% mit einer Berufserfahrung von bis zu 3 Jahren und 21,8% mit einer Berufserfahrung zwischen 4 und 10 Jahren.

Diese Studie berücksichtigte zudem den Unterschied zwischen neuen (16,2%) und alten (21,6%) Bundesländern in Deutschland. Geringer viel der GPG auch bei Akademiker*innen und promovierten Frauen aus.

Lohnunterschiede waren außerdem bei vollzeitbeschäftigten und teilzeitbeschäftigten Frauen und Männern zu erkennen, so der erste Gender Datenreport von 2005. Die Gehälter von Frauen waren in dieser Untersuchung bei einer Vollzeitstelle niedriger, sowohl in Berufen in Männer- als auch in Frauendomänen.[5]

2010 ergab eine Studie der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft einen unbereinigten GPG von rund 29%, was den Durchschnittswert in Deutschland damals schon erheblich überstieg.[6]Heute liegt dieser bei 24% und ist demnach immer noch höher als in anderen deutschen Bundesländern.[7]

Aktuelle Studienlage

Seit 2002 hat sich der durchschnittliche unbereinigte GPG kaum verändert. Er variierte meist zwischen 21 (2018) und 23% deutschlandweit, der bereinigte Gender Pay Gap lag zwischen 2 und 7%. Die größten Differenzen des Bruttostundenverdienstes gab es in der Studie von 2018 in freiberuflichen, technischen oder wissenschaftlichen Dienstleistungen, sowie Kunst- und Unterhaltungsprogrammen (31%). Berufe in der Bank- oder Versicherungsbranche weisen einen GPG von 28 % auf, Tätigkeiten in den Bereichen Kommunikation und Information rund 25%.

Auch Berufsfelder, die traditionell stärker von Männern vertreten sind, wie zum Beispiel Kfz-Handel, Reparaturen oder Instandhaltung von Gewerben wiesen ein relativ hoher Gender Pay Gap von 24% auf. In anderen Wirtschaftszweigen, wie unter anderem Bergbau, Abwasser- oder Abfallentsorgung und Verkehr, fiel dieser geringer aus (3-7%), wobei auch dort bis heute nur wenige Frauen vertreten sind.

Weiter Unterschiede ergaben sich in dieser Untersuchung im öffentlichen Dienst (unbereinigter GPG von 9%) und privatwirtschaftlichen Unternehmen (23%).[8]

Anmerkung zum Schluss

Der Gender Pay Gap ist ein sehr umfangreiches Thema, welches innerhalb dieses Beitrags nicht vollständig abgehandelt werden kann. Er verändert sich ständig, Studien sind schwer zu vergleichen, weil immer wieder neue Merkmale in Untersuchungen des bereinigten GPGs miteinbezogen werden, Berufsbranchen und die Frauen-/Männerquote verändern sich. Zudem wurden in diesem Artikel wichtige Aspekte wie Mutterschaft und weitere mögliche Ursachen, Diskriminierung der Geschlechter und Minderheiten, sowie Themengebiete wie die Rente nicht ausreichend berücksichtigt. 


[1]https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Verdienste/FAQ/gender-pay-gap.html

[2]Margareta Kreimer: Ökonomie der Geschlechterdifferenz. Zur Persistenz von Gender Gaps, Springer

[3]https://web.archive.org/web/20121115042251/https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2010/10/PD10_384_621.html

[4]Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut

[5]https://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/genderreport/root.html

[6] Mythen und Fakten zum Gender Pay Gap. Eine Analyse für Deutschland und Bayern. Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

[7]https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/equal-pay-day-2019,RL3N9qb

[8]https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html