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Slow Fashion – wie erkenne ich fair produzierte Mode?

Fakt ist: die Modebranche gehört zu den 5 umweltschädlichsten Industrien.

Fair Fashion stellt eine umweltfreundliche und ethisch nachhaltige Alternative zu sogenannten „Fast Fashion Produkten“ dar, indem sie beispielsweise die Verwendung von Biomaterialien und/oder eine faire Bezahlung für alle am Herstellungsprozess beteiligten Personen, sowie Nachhaltigkeit im Sinne von lang tragbarer Bekleidung berücksichtigt. Labelt sich eine Modemarke mit den Hashtags #fair, #fairproduziert oder #nachhaltig, bedeutet dies nicht automatisch, dass Produkte einerseits umweltschonend hergestellt werden und zur selben Zeit eine faire Bezahlung garantiert wird (mehr dazu weiter unten). Kann eine Modemarke alle diese (und weitere) Aspekte abdecken und nachweisen, darf sie sich als Slow Fashion oder Fair Fashion Firma vermarkten.

Es ist Teil unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaft, mit gutem Gewissen einkaufen zu wollen.

Wie bereits in meinem Instagrampost erwähnt ist es dennoch wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass der Kauf von fair produzierter Mode nicht dazu dient, den allgemeinen Konsum von Kleidung anzukurbeln. Klar ist, dass wir mit einem solchen Kauf Arbeitsplätze und Existenzen sichern, jedoch ist es eine faule Ausrede, wenn wir den eigenen übermäßigen Konsum dadurch moralisch rechtfertigen wollen.

Es gibt keine Eindeutigkeit in Bezug auf fairen Konsum, Slow Fashion ist nicht nur gut oder nur schlecht. Eine ambivalente Haltung dahingehend ist unvermeidbar.

Um sichtbar zu machen, worauf bei einem Kauf von fairen Produkten geachtet werden kann, soll mitunter dieser Artikel dienen.

Made in Europe ist nicht gleich fair!

Faires und nachhaltiges Einkaufen wird häufig automatisch mit dem Kauf einer Marke in Verbindung gebracht, welche das Label „Made in Europe“ trägt. Es erscheint zunächst auch logisch, da eine kürzere Importstrecke an sich auch umweltschonender ist, als eine Transkontinentale. Bei dieser Überlegung wird allerdings häufig der Unterschied zwischen Existenzlohn und Mindestlohn ausgelassen. Während der Mindestlohn ein gesetzlich vorgegebener Lohn ist, welcher bezahlt werden muss, stellt der existenzsichernde Lohn eine Bezahlung dar, welche ein Mensch braucht, um eine Existenz zu gewährleisten. Deshalb ist durch die Bezahlung eines Mindestlohns noch nicht automatisch eine Existenz abgesichert.

Die Lücke zwischen Existenz- und Mindestlohn ist in Ländern wie Bangladesch oder Sri Lanka, aber eben auch Serbien, Rumänien und der Ukraine unfassbar groß. Nähere Informationen findet ihr auf der Website der Clean Clothes Campaign, welche sich für eine faire Bezahlung in der Textilindustrie einsetzt.

Denim vermeiden!

Die Produktion von Denim (bspw. Jeans) ist wohl mit eine der Schmutzigsten. Pro Jahr werden ca. 1,8 Milliarden Jeans hergestellt, dabei kommt es bei jedem Hosenpaar zu einem Wasserverbrauch von ca. 8000 Liter. Zudem werden 2kg Chemikalien für bestimmte Waschungen und Farben eingesetzt. Des Weiteren wurden bei sämtlichen Testungen giftige Schwermetalle, Pestizide und Bleichmittel in den Materialien festgestellt. Um diese Produktionsweise nicht zu unterstützen und dennoch ähnlich praktische Produkte herzustellen, hat zum Beispiel Armed Angels mit der Kollektion #DetoxDenim eine alternative Lösung gefunden, bei der alle Inhaltsstoffe, Zulieferer*innen und Hersteller*innen genau überprüft werden.

Siegel zur Orientierung

Beim Kauf von fair produzierter Mode dienen zur Vereinfachung der Orientierung Siegel, welche berücksichtigt werden können. Dabei haben Rohstoffsiegel wie „Cotton made in Africa“, „Better Cotton Initiative“ oder „Faitrade Cotton“ ihren Schwerpunkt in der Landwirtschaft und kontrollieren nur den Baumwollanbau. Um die gesamte Wertschöpfungskette zu zertifizieren (andere Aspekte der Nachhaltigkeit wie existenzsichernde Bezahlung, etc.), sind beispielsweise die nun genannten Siegel-Marken zu beachten. [1]

Das Greenpeace Detox Abkommen

Einige Leser*innen haben davon bestimmt schon gehört. Gemeinsam mit mehreren bekannten Modemarken hat Greenpeace 2011 die Kampagne Detox entwickelt. Einige der großen Modekonzerne (wie bspw. H&M, Adidas oder Aldi) haben sich dazu verpflichtet, bis 2020 Schadstoffe durch ungefährliche Substanzen zu ersetzen. Bei dieser Kampagne wurde jedoch ausschließlich der Aspekt der Nachhaltigkeit in Bezug auf die verwendeten Materialien berücksichtigt. Weitere Merkmale der Fair Fashion Industrie können bei vielen dieser Marken bis heute nicht nachgewiesen werden.

Anmerkung zum Schluss

Bei einem Kauf von Slow Fashion Produkten gilt es bestimmt, noch einige weitere wichtige Informationen zu beachten, welche hier nicht angeführt wurden. In den kommenden Wochen werde ich auf meiner Website einen Fair Fashion Guide einrichten, der zur Orientierung unterschiedlicher nachhaltiger Modemarken dienen soll.


[1]https://nachhaltige-deals.de/nachhaltige-mode/fairtrade-kleidung/