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Minimalismus – Trend oder Lebensstil?

Wer sich in den letzten paar Jahren mit Nachhaltigkeit beschäftigt hat, ist bestimmt auch schon mal auf Minimalismus als neuen, trendigen Lebensstil gestoßen (das meine ich gar nicht abwertend). Ich habe mich in den letzten Wochen ein wenig in das Thema eingelesen und fand es besonders spannend zu verstehen, dass Menschen nur aus einem Überangebot an Waren dazu tendieren, ihren Besitz auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei habe ich mir folgende Fragen gestellt: Was ist Minimalismus eigentlich? Welche psychologische Prozesse durchleben wir, wenn wir uns von vielen Dingen lösen? Ist Minimalismus wirklich ein nachhaltig zufriedenstellender Lebensstil oder eher ein Trend?

In den nächsten Wochen werden vermutlich mehr Beiträge rund um das Thema Minimalismus kommen. Ich freue mich über Erfahrungsberichte und Informationen von euch Leser*innen!

Minimalismus - Trend oder Lebensstil?

Woher kommt die Idee?

Schon 323 v.Chr. vertrat der Philosoph Diogenes von Sinope die Ansicht, dass ein Mensch nur dann glücklich sei, wenn er sich von überflüssigen Bedürfnissen befrei. In den USA kam das Interesse an einem “einfachen Lebensstil” um 1965 mit den Büchern „Simple Living“ oder „Downshifting“.[1] 

Die „Voluntary simplicity“ Bewegung geht in den Vereinigten Staaten vor allem auf den Sozialwissenschaftler Duane Elign zurück.

In Europa kam der minimalistische Lebensstil nach und nach mit der 68er Bewegung, wobei die ursprüngliche Idee wahrscheinlich auch auf Friedrich Nietzsches Ablehnung des sinnentleerten Materialismus zurückzuführen ist.[2]

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Beweggründe

Die Beweggründe hinter dem minimalistischen Lebensstil sind auf eine Kritik an der heutigen stark materiell orientierten Lebensweise und die Kritik an der Schnelllebigkeit und Reizüberflutung zurückzuführen. Minimalistisch zu leben bedeutet also das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen. Übermäßiger Besitz, welcher mitunter für den sozialen Status und die Prestige angestrebt wird, wird als belastend und hinderlich betrachtet. Es wird zwischen Begehren und Notwendigkeit unterschieden, sofern man das überhaupt so klar voneinander trennen kann. Natürlich spielt bei der Überlegung auch eine umweltschonende und nachhaltige Lebensweise eine große Rolle. Zudem wird bei einem minimalistischen oder auch einfachen Lebensstil immer wieder davon gesprochen, die eigene Lebenszeit „sinnvoll“ zu nützen. Es erscheint unvernünftig, Zeit und Geld einzutauschen, um Dinge zu besitzen, die man eigentlich gar nicht braucht oder gar nur, um andere zu beeindrucken oder auch um Arbeitszeit aufzuwenden, um folglich mit dem Ertrag mehr konsumieren zu können. Eine weitere Kritik von Verfechter*innen eines einfachen Lebensstils ist die Überbeanspruchung von Menschen durch Arbeit und Zeitdruck. Außerdem werden Massenmedien dafür kritisiert, dass sie viel Zeit für eigene Gedanken und den Sinn für Genuss in Anspruch nehmen.

Eine subjektiv erlebte Lebensweise jenseits eines oberflächlichen, auf materialistische Konsumartikel beschränkten Hedonismus steht im Vordergrund, sagen Minimalist*innen. Dieser materiell bewusst reduzierte Lebensstil weist mitunter asketische Züge auf. 

Luxusgut Minimalismus

Minimalismus entsteht also aus einem Übermaß an Besitz. Dem liegt zugrunde, dass für einen minimalistischen Lebensstil eine Entscheidungsfreiheit vorliegen muss, die nicht alle Personen haben. Menschen, die sich in finanziellen Notlagen befinden, verfügen nicht über eine solche Freiheit. Minimalistisch zu leben bedeutet, sich bewusst dazu zu entscheiden, weniger zu konsumieren und demnach mit weniger materiellem Besitz zu leben. Gesellschaftskritisch betrachtet ist das Ganze so auch ziemlich interessant. Personen, die es sich leisten können, reduzieren ihren Besitz nach übermäßigem Konsum auf ein Minimum, weil sie durch ihre finanzielle Lage die Möglichkeit haben, frei darüber zu entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen.

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Freiheitsgefühl & Minimalismus

Liest man Beiträge und Ratgeber zum Thema Minimalismus, stößt man häufig auf den Freiheitsbegriff im Zusammenhang mit dem besitzreduzierten Lebensstil. Freiheit wird dabei nicht nur auf das Loslassen der Dinge, sondern auf ein nachhaltig gesundes und glückliches Lebensgefühl bezogen. Vielleicht bedeutet dies auch ein Loslassen der Konsumsucht, die wir in unserer kapitalistischen Gesellschaft schnell entwickeln. Häufig lese ich: Minimalismus bedeutet glücklich zu sein, ohne viel zu besitzen. Doch woher kommt die Freude am reduzierten Besitz? Minimalist*innen behaupten häufig, dass dann mehr Platz für freie Gedanken sei. Ist Minimalismus ähnlich wie Achtsamkeit stark spirituell aufgeladen?

Viele Fragen stehen offen und ich werde versuchen, einige davon zumindest weiterhin zu verfolgen. Beantworten kann ich sie vermutlich nicht. Ich freue mich allerdings immer über Literaturempfehlungen und Anmerkungen via Instagram oder Mail


[1] https://www.zukunftswaende.de/leben/minimalismus-als-lebensstil/

[2] Stephen R. Covey: Die sieben Wege zur Effektivität. Prinzipien für privaten und beruflichen Erfolg.

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