0 In Politik & Kultur

Kamala Harris – Portrait

Vor wenigen Tagen wurde Kamala Harris in den USA zum „Running Mate“ Joe Bidens für die Präsidentschaftswahl 2020 ernannt. Sie könnte somit die erste afroamerikanische und indische Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten werden, bzw. auch generell die erste Frau, die in den USA dieses Amt antritt. Der folgende Beitrag ist ein Kurzportrait der Senatorin.[1]

Leben und Ausbildung

Kamala Harris wurde im Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien geboren, wuchs jedoch bis zu ihrem Highschool-Abschluss in Montreal (Kanada) auf. Ihre Mutter war eine tamilische Krebsforscherin aus Indien, ihr Vater Wirtschaftsprofessor aus Jamaika. 

Sie studierte zunächst Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft an der Howard University in Washington D.C. und kehrte nach ihrem Bachelorabschluss nach Kalifornien zurück. Dort nahm sie ein rechtswissenschaftliches Studium auf und schloss dies 1989 ab. 

Ein Jahr später erhielt sie die Zulassung als Anwältin und arbeitete daraufhin acht Jahre lang als Assistentin des Staatsanwalts von Alameda County. Sie wechselte wenige Jahre später in das städtische Staatsanwaltsbüro von San Francisco.

Parteiarbeit

Kamala Harris kandidierte 2003 zum ersten Mal für die Demokratische Partei als Bezirksstaatsanwältin in San Francisco und wurde gewählt. 4 Jahre später wurde sie wiedergewählt.  Sie setzte sich besonders in diesen Jahren für die Entwicklung von Präventionsprogrammen gegen den Rückfall Krimineller in den Vereinigten Staaten ein.

Attorney General

Am 02. November 2010 wurde Harris zur kalifornischen Generalstaatsanwältin und Justizministerin (Attorney General) gewählt. Dabei setzte sie sich gegen den Republikaner Steve Cooley durch und wurde zur Nachfolgerin des damaligen Amtsinhabers Jerry Brown. [2]

Sie trat in ihrer Amtszeit als Attorney General außerdem für eine strengere Kontrolle von Waffen und die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen ein und sprach sich zudem gegen die Todesstrafe aus.[3]

In diesem Amt und auch als Vizepräsidentschaftskandidatin ist Kamala Harris die erste Frau mit afroamerikanischem und indischem Hintergrund.

2017 wurde Harris als zweite afroamerikanische Frau und erste indische Frau in das US-Senat gewählt. Dort gehört sie seither den Ausschüssen Budget, Environment and Public Works sowie Homeland Security und Intelligence an.

Kurz nach Amtseintritt kündigte Harris an, sich gegen Trumps Einwander*innenpolitik einzusetzen[4].

Präsidentschaftskanditur 2020

Am 21. Januar 2019 gab Kamala Harris ihre Kandidatur für die demokratische Nominierung zur Präsidentschaftswahl bekannt. Innerhalb kürzester Zeit erhielt ihre Kampagne über 1,5 Millionen Dollar an Spenden von Privatpersonen. Sie kündigte daraufhin an, für ihre Kampagne auf Spenden durch PAC’s (Political Action Comittees) zu verzichten. 

Im Wahlkampf kritisierte die Juristin ihren damaligen Konkurrenten Joe Biden wegen rassistischer Äußerungen und der Busing-Debatte in den 70ern. Sie selbst war damals Betroffene von Busing.[5]

Da ihre Chancen laut Umfragewerten jedoch sehr niedrig waren, entschied sich Harris im Dezember 2019 dazu, zurückzutreten und stattdessen Joe Biden im Wahlkampf zu unterstützen. 

Am 11. August 2020 wurde sie von Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidatin gewählt.

Zuspruch & Kritik

In den letzten Monaten hat sich Kamala Harris besonders in der Covid 19 Krise profiliert, weil sie sich in erster Linie für Migrant*innen, BIPOC und andere benachteiligte Gesellschaftsgruppen eingesetzt hat.

Wo Wähler*innen Bernie Sanders und Alexandria Ocasio Cortez politisch eher links verorten, würden sich Biden und Harris wohl eher der demokratischen Mitte zuordnen, wenn es so etwas denn überhaupt gibt. Dabei fühlt sich eine relativ große Wähler*innengruppe der Demokratischen Partei nicht von den beiden Kanditat*innen repräsentiert.

Laut Soziologin und Journalistisn Lilly Amankwah wird Kamala Harris häufig von American Descendants of Slavery (ADOS) kritisiert. Afroamerikaner*innen, die dieser Gruppierung angehören behaupten, Harris würde Afroamerikaner*innen nicht repräsentieren, da sie nicht die Geschichte der Sklaverei in den USA miterlebt habe, sondern nur neu zugwandert sei. 

Die Position von ADOS ist in den Vereinigten Staaten umstritten, allerdings argumentieren Vertreter*innen der Gruppierung mit sozialwissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Nachkommen von Sklav*innen bis heute in anderer Weise von Diskriminierung betroffen seien als BIPOC, deren Familiengeschichte nicht bis in die Zeit der Sklaverei zurückreicht.[6]

Im Großen und Ganzen erhält Kamala Harris jedoch großen Zuspruch und spielt jetzt schon eine besondere Rolle: sollte Joe Biden US-Präsident werden, könnte es durchaus dazu kommen, dass er keine zweite Amtszeit antritt (da er zu diesem Zeitpunkt schon 82 Jahre alt wäre). So besteht die Möglichkeit, dass Harris zur ersten afroamerikanischen und indischen US-Präsidentin gewählt wird, bzw. auch insgesamt zur ersten US-Präsidentin als Frau. 


[1] https://www.washingtonpost.com/politics/kamala-harris-joe-biden-vp-pick/2020/08/11/d7a51930-d1b7-11ea-8c55-61e7fa5e82ab_story.html

[2] https://www.huffingtonpost.com/2014/11/05/kamala-harris-election-results_n_5819890.html

[3] https://www.rnd.de/politik/wer-ist-kamala-harris-die-demokratische-vizeprasidentschaftskandidatin-im-portrat-L3SUOUX45JAFDIPY756MBUU3JQ.html

[4] https://www.idowa.de/inhalt.portraet-furchtlose-kaempferin-kamala-harris.65a44cfc-f8a2-43db-8446-7deb2ba54153.html

[5] https://www.nytimes.com/2019/07/31/us/politics/kamala-harris-biden-busing.html

[6] https://www.deutschlandfunkkultur.de/bidens-vizekandidatin-kamala-harris-skeptische-stimmen-aus.2156.de.html?dram:article_id=482224

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

*