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Toxische Männlichkeit

Um eine Fehlinterpretation des Begriffs zu vermeiden, werde ich in diesem Artikels eine kurze Einführung in das Thema, sowie Hintergrundinformationen zu anderen, verwandten Themen geben. Häufig kommt es bei der Erläuterung brisanter Themen wie diesem hier zu Verwirrung. Was ich mit diesem Beitrag nicht sagen möchte ist, dass alle männlichen Verhaltensweisen als schädlich oder schlecht und vor allem nicht als giftig zu begreifen sind. 

Begriffserklärung

Der Begriff der toxischen Männlichkeit (engl. toxic masculinity) stammt aus der Soziologie und hat seine Ursprünge in den Diskussionen um die hegemoniale Männlichkeit.[1]

Hegemoniale Männlichkeit

Die hegemoniale Männlichkeit befasst sich mit Verhaltensstrukturen, sozialen Praktiken und Machtstrukturen innerhalb einer Gesellschaft, die eine dominante Position von Männern bestärken und gleichzeitig eine untergeordnete Position von Nicht-Männern, in dem Fall Frauen und Personen, die sich einer anderen Geschlechtsidentität zuordnen, aufrechterhalten sollen.[2]

Soziologie

Die Geschlechterforschung in der Soziologie geht davon aus, dass einige der Verhaltensweisen und Umgangsformen zur Demonstration von Männlichkeit als schädlich oder auch giftig zu begreifen sind, besonders weil sie ein sehr eindimensionales und schablonenhaftes Bild von Mann-Sein entwerfen.

Zu diesem (als toxisch verstandenen) Bild von Maskulinität zählen vor allem das Unterdrücken von Gefühlen, es sei denn es handelt sich um Wut oder Aggression. Konflikte werden häufig mit Gewalt gelöst. Weitere Aspekte sind das Verstecken von Schwäche und die fehlende Artikulation von Ängsten oder Sorgen, Verhaltensweisen, die als „weichlich“, hilflos oder auch „weiblich“ gelten.[3]

Toxische Männlichkeit zeigt sich zudem im Umgang mit anderen Personen, der stets auf Dominanz und Wettbewerb anstatt auf Kooperation ausgerichtet ist. Abseits von sämtlichen Verhaltensformen, beschreibt die toxische Maskulinität auch ein Idealbild des männlichen Körpers.

Toxische Männlichkeit meint also die stereotypen, repressiven Vorstellungen der männlichen Geschlechterrolle in der Gesellschaft die limitieren, welche Art von Verhaltensweisen und Emotionen Jungen und Männer an den Tag legen dürfen und welche nicht. 

Diese Verhaltensformen werden gesellschaftlich eingefordert und forciert. Dazu zählen das Belächeln, Kleinreden, Verurteilen, Bloßstellen, Verletzen, Beleidigen und Diskriminieren von Männern, die nicht der Idee des größtenteils gesellschaftlich konstruierten Mann-Seins entsprechen. [4]

Ziel der Geschlechterforschung ist es mitunter aufzuzeigen, dass auch Personen die sich als männlich lesen unter den Machtstrukturen des Patriarchats leiden können.

Geschichte

Mythopoetische Männerbewegung 

Neben den Interpretationen der toxischen Maskulinität in der Psychologie, Soziologie oder in der Geschlechterforschung ist der Begriff auch auf die mythopoetische Männerbewegung in den 1980er-1990er Jahren zurückzuführen. 

Der mythopoetische Ansatz dieser Männerbewegung will die archetypische Vorstellung vom Mann als Soldat und Herrscher hinter sich lassen und die Vorstellung eines biologischen Terminus („Männer sind halt so“) und hierarchischen Denkens („einem Mann steht eine dominante Position zu“) kritisch hinterfragen.[5]

Das Überwinden toxischer Verhaltensweisen

Mögliche Strategien für das Überwinden toxischer Verhaltensmuster sieht der Psychologe Shepard Bliss in der Pflege einer liebevollen Vater-Sohn-Beziehung und der von Freundschaften unter Männern. 

Er appelliert dafür, sich um das Wohl des eigenen Körpers zu kümmern, Warnsignale wahrzunehmen, das Etablieren von Modi, in denen eine zwischenmenschliche Vertrauensbasis entstehen kann und in denen Gefühle zugelassen werden können. 

Zudem spricht Bliss über die Wichtigkeit des Einsatzes für eine positiveres Körperbild des Mannes und kritisiert das Beschämen des eigenen Aussehens und das anderer.[6]


[1] https://missy-magazine.de/blog/2018/08/16/hae-was-heisst-toxic-masculinity/

[2] https://ze.tt/wenn-maennlichkeit-toxisch-wird-so-leiden-maenner-unter-geschlechterrollen/

[3] https://thebookofman.com/mind/masculinity/what-is-toxic-masculinity/

[4] Maya Salam: What Is Toxic Masculinity? In: The New York Times. 22. Januar 2019

[5] https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-322-97542-3_10

[6] Shepherd Bliss: Revisioning Masculinity. A report on the growing men’s movement. In: In Context: A quarterly of humane sustainable culture 

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